# Natalies Diary - Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Meinungen. Beobachtungen. Notizen aus der Grauzone. Public Ghost content for AI and LLM tooling. This file includes a bounded export of public pages first, then recent public posts. Append `.md` to any post or page URL to get the content in Markdown (for example, `/example-post.md`). ## Pages ### About Natalies Diary URL: https://www.nataliesdiary.com/about-natalies-diary/ Last updated: 2026-07-18T10:43:58.000Z **Willkommen**. Du hast es bis hierher geschafft, also bist du entweder sehr neugierig oder sehr gelangweilt. Beides ist ein guter Anfang. Ich bin Natalie, ursprünglich aus Bayern, was vielleicht erklärt, warum ich Direktheit eher für eine Tugend halte und Small Talk für eine Zumutung. Seit Jahren lebe ich als bayerische Migrantin in der Schweiz — meiner bewusst gewählten Heimat. Wenn ich nicht schreibe, probiere ich irgendetwas ebenso Kreatives aus, das mir gerade niemand ausgeredet hat. Irgendwann habe ich aufgehört, darauf zu warten, dass andere Dinge aussprechen, die ich denke. Dieser Blog ist mein Ort für die Entladung dieser geistigen Ergüsse. Und wenn genau DU gerne liest, was ich schreibe, dann schreib ich umso lieber. Manchmal wird's provokant, manchmal nachdenklich, manchmal kommt ein Motivationsspruch, manchmal ein Angriff auf alles, wofür Motivationssprüche stehen. Dennoch: Ich verurteile nicht, ich stelle in Frage. Und manchmal brauche ich einfach nur eine heile Welt, ohne den ganzen Wahnsinn da draussen. Die gibt's hier auch. Schau mal bei der Denkwelten-Rubrik **Kaffeepause** vorbei, wenn Du grad keine Lust auf zu viel Geplapper hast (die ist nämlich schnell gelesen), oder bei **Leise Gedanken**, wenn Dir die Weltuntergangsszenarien zuviel sind. > **Was mich antreibt: Die Frage, warum wir so denken, wie wir denken. Kevin Dutton (ein britischer Psychologe) hat mal beschrieben, wie unser Hirn Komplexität gnadenlos vereinfacht in: Gut, Böse, Wir, Die anderen. Schnell, automatisch, meistens unbemerkt.** > **Ich finde das faszinierend.** > **Gefährlich.** > **Und wenn man genau hinschaut, auch ziemlich komisch.** Also schaue ich hin. Und schreibe darüber. In **Zeitgeist**, wenn's um den politisch aufgeladenen Unfug oder wenn's um den ganz normalen Irrsinn des Alltags geht. Wie komme ich überhaupt zu so einem Thema? Ich bin in einer christlichen Glaubensgemeinschaft aufgewachsen, die viele als streng oder fundamentalistisch bezeichnen würden. Dort lernte ich aus erster Hand, was es bedeutet, dieses “Wir sind die Guten, Ihr seid die Bösen”. Und was soziale Ächtung ist: Menschen aus der Gemeinschaft auszuschliessen, weil sie nicht mehr ins Bild passen. Das hat mich geprägt. Und es hat mir beigebracht, dass miteinander Reden immer besser ist als Schweigen oder gar aus dem Freundeskreis oder der Mitte der Gesellschaft hinauszubefördern (soziale Sanktionierung). Dass Fragen mutiger ist als Gehorchen. Und dass gesunder Menschenverstand manchmal nur eine Entscheidung ist. Keine Selbstverständlichkeit. Manches von meinen Zeilen landet auch in der Denkwelten-Rubrik **Frauen.** Nicht nur wegen Wechseljahrswahnsinn. Sondern weil sich das Wir-gegen-Die-Denken auch dort breitgemacht hat, mit freundlicher Unterstützung eines Teils des heutigen Feminismus. Natalies Diary ist: **Kritisch. Klar. Koffeingestützt.** Und manchmal bin ich einfach nur leise und froh, dass es die Welt auch oft in schön gibt, wenn man die Perspektive wechselt. Wenn du nicht warten willst, bis der Algorithmus dich zufällig wieder herspült: Melde Dich an. Abonniere den Newsletter. Dann wirst Du sofort benachrichtigt, wenn's hier wieder was Neues gibt. Also wunderbar, dass Du da bist. Und danke für Deine Neugierde. Oder Deine Langeweile. ### Mach es Dir gemütlich. Denk mit. Sag was Nettes oder widersprich mir. ## ***Natalie*** ### Denkwelten URL: https://www.nataliesdiary.com/tags/ Last updated: 2026-07-02T18:53:33.000Z _No content available._ ### Authors URL: https://www.nataliesdiary.com/authors/ Last updated: 2026-06-05T09:24:40.000Z _No content available._ ### Newsletter URL: https://www.nataliesdiary.com/newsletter/ Last updated: 2026-06-13T09:19:18.000Z aöslkdjfaölskdjfölaskdjflöaskdjfölak ## Posts ### Es gibt Zeiten... URL: https://www.nataliesdiary.com/es-gibt-zeiten/ Last updated: 2026-10-11T06:30:11.000Z > **„Dass uns eine Sache fehlt, sollte uns nicht davon abhalten alles andere zu geniessen" (Jane Austen)** Es gibt Zeiten, in denen ich einfach keine grosse Lust habe, mich über die Probleme und Absurditäten der Gesellschaft aufzuregen. Eine solche Zeit erlebe ich gerade wiedermal. Zündstoff gäbs ja genug. Ich habe in der Zwischenzeit jede Menge Skurriles, Lächerliches, Abartiges und Kopfschüttelnswertes gesammelt: Feminismus-Auswüchse, politisches Mundtotmachen und Ghosten, Humorlosigkeiten vom Feinsten. Aber leider fällt mir nicht ein, was ich selbst dazu noch sagen will. Was nicht schon gesagt wäre. Und überhaupt: Was hat es für einen Sinn…. Es gibt Zeiten, in denen ich mir denke: Entweder Du inspirierst mit Deinen Texten oder bringst Leute zum Lachen. Beides will mir grad nicht recht gelingen. Dann schreib ich lieber nix. Bis auf jetzt, in diesem Moment. Wenn ich übers Nicht-Schreiben wollen schreibe. Es gibt Zeiten, in denen ich mich lieber ganz aufs Leben und auf die Menschen, die ich mag, konzentriere. Und mir keine Gedanken über den Blödsinn machen möchte, den die Leute so von sich geben. > **Mein Gott, die Zeit ist so kostbar.** Und sie kommt nicht wieder. Ja, die Weltlage ist echt scheisse. Umso mehr ist das JETZT wichtig, denn morgen kanns vielleicht vorbei sein. Und mal ganz ehrlich: Die Weltlage war schön öfter mal in der Geschichte echt scheisse, oder? Wir tun immer so, als wäre das Ende der Welt erreicht. Aber das ist ja menschlich. Hab mir sagen lassen, dass diese menschliche Rasse vor 2000 Jahren schon dachte, die Welt gehe bald unter, rette sich wer kann. Es gibt Zeiten, in denen ich mich einfach nur freue, am Leben zu sein. Auf dem Land zu wohnen. Tiere zu haben. Einen Menschen an meiner Seite, den ich liebe. Einen wunderschönen See, der zu dieser Jahreszeit ganz besonders erfrischend ist. Einen guten Job, der mir ermöglicht, meine Rechnungen zu bezahlen. Ein paar Menschen, die sich für mein Wohlergehen interessieren. Ärzte und Medikamente, für alle Fälle. Einen Körper, der mich seit Jahrzehnten durchs Leben trägt und nie aufgegeben hat. Ein herrlicher Kaffee am Morgen, Mittag oder Abend.... Es gibt Zeiten, in denen ich schreibe. Und es gibt Zeiten, in denen ich nicht schreibe. Phasen des Lebens. Ich lerne sie zu lieben. --- ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Zwischen Alltag und Abenteuer liegt manchmal nur ein „Scheiss drauf“ URL: https://www.nataliesdiary.com/zwischen-alltag-und-abenteuer-liegt-manchmal-nur-ein-scheiss-drauf/ Last updated: 2026-09-13T07:50:37.000Z > „Wenn du alle Regeln befolgst, verpasst du den ganzen Spass.“ > **Katharine Hepburn** Manchmal besteht das Leben hauptsächlich aus funktionieren, funktionieren, funktionieren. Alles was getan wird, soll dann auch bitteschön noch vernünftig, effizient und sinnvoll sein. Und das nicht nur im Beruf, sondern leider auch in der Freizeit. Ich ertappe mich dabei, dass ich die Wochenenden mit Aufgaben, die gefälligst als guter Bürger zu erfüllen sind, vollkleistere. Und weil ich inzwischen schon sehr vergesslich bin, schreibe ich mir das auch noch alles in den Kalender, damit eben ja nichts untergeht. Meine Güte, wenn irgendetwas davon nicht gemacht werden würde! Dann würde offensichtlich die Welt untergehen. Wenn ich dann allerdings merke, mir fehlt die Energie, um wirklich alle Aufgaben zu bewältigen, und anfange zu priorisieren und den Rest links liegen zu lassen, dann kommt eine erstaunliche Wahrheit ans Licht: Siehe da, die Welt geht nicht unter. Und die Polizei stand deswegen auch noch nicht vor der Tür. Obwohl die Wohnung nicht gesaugt wurde. Obwohl das Bett am Nachmittag noch nicht gemacht wurde. Obwohl das Unkraut im Garten munter weiterwächst. Das alles könnte ja eine Lehre fürs nächste Mal sein. Aber nein, ist es nicht. Das Funktionierenmüssen und der Drang, alle mehr oder weniger sinnvollen Aufgaben irgendwo unterzubringen, scheinen in meine Gene eingeschrieben zu sein wie meine blauen Augen. Und immer wieder stelle ich mir eine Frage, und diese immer öfter: > Wann war ich das letzte Mal so richtig innerlich frei und > ausgelassen? > Glücklich? > Lebendig? Das reine Funktionieren und Erfüllen aller an mich gestellten Erwartungen jedenfalls macht mich weder lebendig noch glücklich. Ich tanze auch nicht ausgelassen und voller Freude durch die Wohnung, weil ich endlich das Bett gemacht oder die Steuererklärung ausgefüllt habe. ## Hauptzutaten für die geilen Momente Ich habe mir mal die Mühe gemacht, wichtige Situationen meines Lebens aufzuschreiben, in denen ich absolut mit mir im Reinen, glücklich und zufrieden und herrlich lebendig war. Momente, die sich mir eingebrannt haben. In denen ich lächelte oder lachte, weil es so schön war. Oder so aufregend. Und siehe da, es kam doch einiges zusammen. Die Essenz aus all diesen Momenten kann ich bei mir auf ein paar simple Hauptzutaten reduzieren: **Verbindung:** Ich brauche echte Resonanz. Menschen, mit denen etwas Zwischenmenschliches passiert: Liebe, Lachen, Tiefe, gemeinsames Denken, Flirt, Berührung, ein intensives Gespräch. **Freiheit:** Nicht ständig vernünftig, verantwortlich und funktional sein. In meinen schönsten Erinnerungen habe ich nicht gefragt, ob das jetzt gerade effizient oder sinnvoll ist. Ob ich dafür überhaupt Zeit habe. Und was ich danach noch alles erledigen muss. **Körper und Sinnlichkeit:** Wasser. Tanzen. Wandern. Wärme. Essen. Wein. Musik. Natur. Bewegung. Mein Zugang zu Lebendigkeit führt auffällig oft durch den Körper und die Sinne, nicht nur über Gedanken. **Entdeckung und Entwicklung:** Ich will mich erweitern. Dazulernen. Neue Perspektiven einnehmen. Neue Gedanken. Neue Fähigkeiten. Neue Seiten meiner Persönlichkeit entdecken. Ich glaube nicht, dass es ein Alter gibt, in dem man ausgelernt hat und über das Leben sowie über sich selbst schon alles weiss. Ich möchte noch mit 90 neugierig bleiben und erleben, dass ich mich immer wieder irre und somit etwas Neues an Wissen gewinnen kann. Eigentlich wäre es doch ziemlich schade, irgendwann mit sich und der Welt „fertig“ zu sein. **Dosierte Unvorhersagbarkeit**: Ich brauche ein bisschen: > „Ich weiss noch nicht, wie das hier ausgeht.“ Nicht Chaos. Nicht existenzielle Unsicherheit. Eher kontrollierbare Unsicherheit. Genug Sicherheit, dass ich mich hineinwagen kann. Genug Ungewissheit, dass ich wach werde. **Intensität:** Ich brauche nicht möglichst viele Erlebnisse. Ich brauche gelegentlich Erlebnisse, bei denen ich viel fühle. Tiefe Liebe. Tränen lachen. Ehrfurcht bei Musik. Stolz auf einem Gipfel. Die Schönheit einer Landschaft. Angst überwinden. Ein Gespräch, das die ganze Nacht dauert. Und dann kommt noch absolute **Präsenz im Augenblick** wie ein Verstärker zu diesen Hauptzutaten dazu. Denn in keiner meiner Erinnerungen habe ich dabei über meinen Kontostand, mein Gewicht, meine Karriere, die Vergangenheit oder meine To-do-Liste nachgedacht. Nein, ich war mitten drin im Geschehen. Vielleicht ist genau das der entscheidende Unterschied: In diesen Momenten habe ich mein Leben nicht beobachtet, bewertet oder optimiert. Ich habe es einfach gelebt. ## Das Gegenteil von Lebendigkeit Das Gegenteil von Lebendigkeit ist nicht Traurigkeit. Oder Depression. Oder Lethargie. Es ist Funktionieren. Planen. Organisieren. Nachdenken. Abarbeiten. Probleme antizipieren. Vergangenheit analysieren. Zukunft absichern. Das sind alles Fähigkeiten, die ich brauche und in denen ich ziemlich trainiert bin. Aber mein „Mich-lebendig-Fühlen“ entsteht offenbar dort, wo dieser innere Kontrollraum für eine Weile die Monitore ausschaltet und ich nicht mehr darüber nachdenke, wie mein Leben sein sollte. Denn ich bin damit beschäftigt, es zu erleben. Und ganz ehrlich: Wie viel Funktionieren braucht denn ein geglücktes Leben wirklich? Sind wir durch tausend Absicherungen, Versicherungen und Routinen nicht manchmal einfach nur Maschinen, die nicht mehr sonderlich viel mit dem Prädikat "Mensch" zu tun haben? Die gleich folgende Frage ist abgedroschen. Eigentlich geht sie mir manchmal schon tierisch auf den Geist. Aber ich gestehe, dass ich sie mir trotzdem ab und an stelle und mir das guttut: > Wann hast Du das letzte Mal etwas zum ersten Mal gemacht? Und ich möchte sie für mich noch abwandeln: > Wann hast Du das letzte Mal etwas getan, das Dich wirklich glücklich gemacht hat? Ich finde, beide Fragen können stark zusammenhängen. Mich endlich in tiefes Wasser zu wagen und dort zu schwimmen, obwohl ich tierische Angst habe, hat mich mit einem richtigen Dopaminschub versorgt. Nicht weil ich plötzlich keine Angst mehr hatte, sondern weil ich es trotzdem getan habe. Diesen Artikel habe ich übrigens an einem Samstagmittag geschrieben. Meine Zähne sind noch nicht geputzt, das Bett ist ungemacht. Staubsaugen wäre fällig. Aber weisst Du was? Zu schreiben fühlt sich für mich nach Spaas an. Nach kreativem Ausdruck. Nach Lebendigkeit. Und vielleicht war genau das heute die wichtigere Aufgabe. Davon brauche ich unbedingt mehr in meinem Leben! Was sind Deine Momente, in denen Du Dich lebendig, glücklich und zufrieden gefühlt hast? Erwecke diese Erinnerungen wieder zum Leben. Denn wer weiss, was sie mit Dir machen. Vielleicht stellen sie Dein bisheriges Leben ja ein bisschen auf den Kopf. Oder machen es zumindest wieder etwas lebendiger. Das Risiko würde ich eingehen. Vorausgesetzt Du willst das. --- ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Wenn Andersdenken provoziert: Über die Kunst, einander trotzdem zuzuhören URL: https://www.nataliesdiary.com/wenn-andersdenken-provoziert-uber-die-kunst-einander-trotzdem-zuzuhoren/ Last updated: 2026-09-06T06:30:56.000Z Manche empfinden meine Texte zu provokativ. Weil ich Dinge an- und ausspreche, über die viele lieber nicht reden würden. Darüber habe ich viel nachgedacht in letzter Zeit. Und mir fiel ein, dass ich dieses "Provozieren" schon als Kind praktiziert habe. Das war anstrengend für meine familiäre Umgebung! 😊 Die Reaktionen waren in der Regel: 1\. Ich verlasse den Raum, damit ich nicht mehr hören muss, was du sagst. Rückzug. Distanz. 2\. Ich ignoriere dich und rede über ein komplett anderes Thema. 3\. Ich betitle dich und was du tust als lächerlich, mache mich lustig darüber. Provokativ waren zum Beispiel folgende Fragen: "Bist Du glücklich?" "Wer sagt, dass man das so machen muss? Wieso geht das nicht auch anders?" "Aber wenn Dich der Garten stresst, dann musst du ihn doch nicht machen. Es zwingt Dich doch niemand." "Wieso stimmt das? Woher weisst Du das?" Noch dazu wuchs ich in einer fundamentalistischen Religion auf, in der sowieso nie alles gesagt, geschweige denn gefragt werden durfte. Die Folgen wären u.a. soziale Sanktionen gewesen. Man wurde als "geistig krank" oder "gefährlich" betitelt. Es wurde plötzlich Abstand gehalten, weil diese "Geistige Krankheit" ansteckend war. Zweifel galten nicht als Beginn eines Gesprächs, sondern als Gefahr. Liebesentzug und emotionale Erpressung würde ich das heute nennen, was dort passierte. Für mich war es aber schon immer wichtig, echte Verbindungen zu erleben. Keine Oberflächlichkeiten. Richtig tiefe Gespräche, Freundschaften, Beziehungen. Und darum war ich im Grunde nicht diejenige, die wirklich provozierte. Sondern diejenige, die den Elefanten im Raum gesehen und sichtbar gemacht hat. Denn ich glaube, eine wirklich echte Nähe ist kaum möglich, wenn sich zwischen uns ein grosser, dicker Elefant befindet. Wenn man allerdings eine solche Nähe möchte, dann muss man auch bereit sein über Dinge zu sprechen, die Konflikte auslösen können. Und nicht einen wichtigen Teil, den dunklen Teil, der zum Leben dazugehört, zu verleugnen, zu meiden. Tiefe entsteht nicht dadurch, dass man immer einer Meinung ist. Sondern dadurch, dass beide bereit sind, den anderen auszuhalten, auch wenn es unbequem wird. Ich finde es auch heute schwierig, mit Menschen über Dinge offen zu reden, über die man zu schweigen gelernt hat. Nicht, weil ICH es nicht möchte. Sondern weil es in unserer Gesellschaft oft gang und gäbe ist, Menschen, die Tabuthemen ansprechen oder Fragen stellen auszusortieren. Mit sozialen Sanktionen zu belegen. Mit Prädikaten wie "die oder der spinnt" und neuerdings in inflationärer Weise - weitaus schlimmer - "Nazi" oder "Faschist" zu bezeichnen. Während Corona zerbrachen Freundschaften an unterschiedlichen Überzeugungen. Heute genügt oft die "falsche" politische Meinung, um vom Gesprächspartner zur Persona non grata zu werden. Nicht das Argument zählt zuerst, sondern das Etikett. Und da kommt mein Blog ins Spiel und der Grund, warum ich ihn überhaupt wiederbelebt habe. Hier spreche ich Dinge aus, über die andere lieber schweigen. Nein, nicht um des Provozierens willen. Selbst wenn es provokant ist. Sondern weil ich hoffe, dass dort endlich ein Raum entsteht, in dem Menschen sagen können: > "Ja. Darüber können wir reden." Diejenigen die glauben, ich würde nur sinnlos provozieren, die wird es weiterhin geben. Sie erinnern mich gewaltig an mein früheres Leben. Wenn schwierige Fragen auftauchten, wurde nicht diskutiert, sondern ausgewichen oder etikettiert. Und genau das passiert auch in unserer stinknormalen Gesellschaft, wenn jemand einen Konflikt nicht aushalten kann. Aber es gibt auch diejenigen, vielleicht Dich, die es erleichternd finden, wenn es diesen Raum gibt, in dem erlaubt ist, echt und tief zu sein. Wo Konflikte und Diskussionen sein dürfen und dennoch nicht die Verbindung verloren geht. Sondern so erst wirklich eine ECHTE Verbindung entstehen kann. Vielleicht ist “Provokation“ ja manchmal einfach nur eine Wahrheit, ausgesprochen im falschen Raum. --- ## 🧠 Warum wir so ticken Konflikte fühlen sich für viele Menschen gefährlicher an, als sie tatsächlich sind. Denn unser Gehirn unterscheidet nicht immer besonders sinnvoll zwischen einer Bedrohung unserer körperlichen Sicherheit und einer Bedrohung unseres Selbstbildes, unserer Zugehörigkeit oder unserer Überzeugungen. Wenn jemand etwas infrage stellt, das für uns selbstverständlich, richtig oder identitätsstiftend ist, entsteht deshalb schnell Abwehr. Wir argumentieren nicht mehr nur über eine Sache. Plötzlich verteidigen wir auch uns selbst. Und dann tun Menschen genau das, was sie auch in anderen Stresssituationen tun: Sie kämpfen, ziehen sich zurück, erstarren oder versuchen, die Spannung möglichst schnell zu beenden. Wir wechseln das Thema. Werden laut. Machen den anderen lächerlich. Brechen ein Gespräch ab. Oder kleben ihm ein Etikett auf, mit dem wir uns nicht mehr mit seinen Argumenten beschäftigen müssen. Das Interessante daran: Konfliktvermeidung schützt zwar kurzfristig die Harmonie, kann langfristig aber genau das verhindern, wonach wir uns eigentlich sehnen: echte Nähe. Wirkliche Verbindung bedeutet nicht: „Du denkst wie ich.“ Sie bedeutet: „Du darfst anders denken als ich und ich bleibe trotzdem im Raum.“ --- **Wer Konflikte nicht nur als etwas verstehen möchte, das möglichst schnell gelöst oder vermieden werden muss, dem empfehle ich das Buch „**[**Die Magie des Konflikts**](https://www.orellfuessli.ch/shop/home/artikeldetails/A1060451857?ref=nataliesdiary.com)**“.** ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Die gefährlichste Sucht unserer Zeit: Der Opferstatus URL: https://www.nataliesdiary.com/die-gefahrlichste-sucht-unserer-zeit-der-opferstatus/ Last updated: 2026-08-30T06:30:57.000Z > "Wenn du dein Leben ändern willst, musst du zuerst aufhören, anderen die Schuld zu geben." Es hat schon etwas sehr groteskes, wenn einem von Frauen, die sich selbst als Opfer sehen oder sogar tatsächlich Opfer sind (der wohl wesentlich kleinere Teil) eingeredet wird, man müsste sich nun ebenfalls als Opfer fühlen. Weil man eine Frau ist. Aus Solidarität versteht sich. Ich bin da lieber Herrin meines Lebens als Opfer. Denn mein Opferstatus würde die andere Frau nicht dazu befähigen, sie aus ihrem Leid rauszuholen. Ganz im Gegenteil. Dann suhlen wir uns gemeinsam in diesem Elend und machen ausschließlich andere verantwortlich. Und geben damit unsere Macht ab, sind also tatsächlich ein ohnmächtiges Opfer. Freiwillig. Selbstermächtigung scheint wohl nicht jedermanns (jederfraus) Sache zu sein. Jeder von uns ist irgendwann einmal Opfer. Opfer eines Systems. Opfer eines Mannes. Opfer einer Frau. Opfer von Mobbing. Opfer von Ungerechtigkeit. Opfer von Willkürlichkeit. Opfer von religiösen Fanatikern. Opfer von Unehrlichkeit. Ich kenne das alles, hatte viele Krisen in meinem Leben. Wir sind alle Opfer, ja. Aber wie lange wollen wir dann im Anschluss Opfer bleiben? Das liegt meiner Meinung nach in unserer eigenen Hand. Außer wir leben in Afghanistan. Oder im Iran. Da ist es wesentlich schwieriger wenn nicht unmöglich, nicht mehr Opfer zu sein. Deshalb halte ich eine Tatsache für mehr als zentral: Unsere Privilegien, die wir hier im Westen haben zu sehen. Anerkennen wir sie? Und vor allem NUTZEN wir sie? Ich darf studieren. Als Frau! Ich muss mich nicht einen Hijab oder gar eine Burka einhüllen, sondern kann anziehen was ich will! Ui! Ich kann heiraten wenn ich will und vor allem muss ich das nicht schon mit 13! Ich darf meine Homosexualität offen ausleben ohne gesteinigt zu werden! Mit all den Freiheiten, die wir im Westen besitzen, ist es doch etwas rätselhaft, wenn man die eigene Identität dauerhaft über eine Opferrolle definiert. Das bedeutet nicht, reales Unrecht zu leugnen. Es bedeutet vielmehr, sich nicht darauf reduzieren zu lassen. Deshalb: Nutze doch diese Freiheit! Hol Dir, was Dir zusteht! Werde super in Deinem Beruf, mache Karriere (so viele Frauen machen es uns vor). Ergreife den Beruf, den DU gerne magst. Trag die Kleidung die Du willst. Heirate oder heirate nicht, wen immer Du willst. ## Das unbequeme Spiegelbild Wahr ist jedoch auch: Wir alle sind Opfer, von Zeit zu Zeit. Aber wir alle sind auch Täter, von Zeit zu Zeit. Denn bei dem ganzen “Wir sind die Guten, ihr seid die Bösen”-Moralisten-Geplapper geht doch eines unter: > > Keiner von uns ist heilig. Jeder hat anderen schon schlimmes angetan. Nicht wieder gutzumachendes. Egal, ob Mann oder Frau. Diese Tatsache mögen Opfer, die ihren Status gerne kultivieren aber nicht so gerne hören. Sie wollen dass die Männer für ihr persönliches Leid im Leben verantwortlich sind. Das System. Das sogenannte Patriarchat. Warum? Weil es wahnsinnig bequem ist. Weil man sich selbst und den eigenen Leichen im Keller nicht im Spiegel begegnen möchte. Das Würde wahnsinnig am Ego kratzen. Die persönliche, selbst geschaffene Identität in Frage stellen. Wer das Täter-Opfer-Spiel nicht mehr mitmacht, der ist dann der Verräter. Der Bösewicht. So einfach. So verdammt Schwarz und weiss. --- ## 🧠 Warum wir so ticken In der Sozialpsychologie gibt es das Phänomen der **Competitive Victimhood** (auf Deutsch etwa: *Wettstreit um den Opferstatus*). Gemeint ist die Tendenz von Menschen oder Gruppen, das eigene Leid als größer oder bedeutsamer darzustellen als das anderer. Der Opferstatus kann dabei unbewusst zu einer Quelle moralischer Legitimation werden: Wer sich als größeres Opfer wahrnimmt, fühlt sich eher im Recht, erwartet mehr Mitgefühl und sieht die Verantwortung stärker bei anderen. Dadurch kann ein Gefühl **moralischer Überlegenheit** entstehen: Wer das größere Opfer ist, gilt automatisch als der oder die moralisch Gute. Dieses Phänomen wird heute unter anderem in der Forschung zu **politischen Konflikten, Gruppenidentitäten und verschiedenen Formen des Aktivismus** untersucht. Forschende betonen jedoch, dass dies nicht bedeutet, dass das erlebte Leid nicht real wäre. Problematisch wird es erst dann, wenn der Opferstatus zu einem festen Bestandteil der eigenen Identität wird und den Blick auf die eigene Handlungsmacht verstellt. Statt Lösungen zu suchen, entsteht leicht ein Kreislauf aus Schuldzuweisungen, Lagerdenken und der Frage, wer das größere Opfer ist. ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Eine Schlagzeile genügt, das Urteil steht! URL: https://www.nataliesdiary.com/eine-schlagzeige-genugt-das-urteil-steht/ Last updated: 2026-08-23T06:30:16.000Z Ich las eine Schlagzeile. Ein Politiker entschied sich für etwas, das seine Partei nicht befürwortet. Vor zehn Jahren hatte er dieselbe Haltung selbst noch entschieden abgelehnt. Nun wird er als Heuchler mit Doppelmoral bezeichnet, und sofort werden Rücktrittsforderungen laut. Ich stimmte den Vorwürfen der «Doppelmoral» zunächst mal vollumfänglich zu. Sowas kann und darf man als Politiker doch nicht machen! Das eine verteidigen, das andere leben. Oder? Typisch Politiker eben. Wasser predigen, Wein trinken. Vor solchen Menschen habe ich echt keinen Respekt. Der Mensch, mit dem ich darüber sprach, sagte nur einen Satz: **„Ich kann mir vorstellen, dass er seine Gründe hatte. Auch wenn es im Moment anders aussieht.“** Ich war fassungslos. Es ist doch offensichtlich, dass der Typ ein Heuchler ist! Welche Gründe sollte er denn bitte haben? Ausserdem fiel der schön öfter durch Schwachsinns-Aussagen auf. Wir liessen das Gespräch dabei bewenden. Doch am selben Abend stiess ich auf ein Interview mit genau diesem Politiker, in dem er seine Beweggründe schilderte. Und ja, ich gebe jedem Menschen die Chance, sich zu erklären. Das schliesst Politiker ausdrücklich mit ein. Ich weiss, es ist heute fast schon ein klein wenig skandalös, Politiker als Menschen zu betrachten. Ich muss ehrlich gestehen: Nachdem ich seine Perspektive gelesen hatte, beschlich mich die leise Ahnung, dass ich mich geirrt haben könnte. Ich stellte irritiert fest, dass es wirklich gute Gründe gibt, die sogar ich verstehen kann. Letztlich weiss kein Mensch, was im Inneren eines anderen tatsächlich vorgeht. Welche Erfahrungen ihn geprägt haben. Welche Informationen er hat. Was seine wahren Beweggründe sind. Oder ob er überhaupt die Wahrheit sagt. Doch wir Normalos benehmen uns erstaunlich oft so, als könnten wir all das aus einer Schlagzeile, einem Instagram-Post oder einem 30-sekündigen Video herauslesen. Und wir tun das nicht nur bei Politikern. Wir tun es bei Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunden, Prominenten und sogar innerhalb der eigenen Familie. Wir erklären das «wahre Wesen» eines Menschen mit einer Selbstverständlichkeit, die impliziert, wir wären 24 Stunden am Tag seit seiner Geburt an seiner Seite gewesen und hätten jeden Gedanken, jede Erfahrung und jede Handlung live mitverfolgt. Wehe allerdings, jemand würde uns selbst nach einem oder mehreren kleinen Ausschnitten unseres Lebens beurteilen! Mich hat diese Geschichte wieder einmal etwas gelehrt: Ich kann mich irren. Ich irre mich sogar ziemlich oft. Wahrscheinlich viel häufiger, als mir lieb ist. Und ganz sicher häufiger, als mir überhaupt bewusst ist. Irren ist zutiefst menschlich. Warum fällt es uns dann so schwer, genau das zuzugeben? Was ist so schwierig an einem einfachen Satz wie: > **„Es tut mir leid. Ich habe mich geirrt. Du hattest recht.“?** Jeder Mensch kennt seine ganz eigene Geschichte. Doch wir anderen kennen meist nur die Schlagzeile. --- ## 🧠 Warum wir so ticken Die Sozialpsychologie kennt für dieses Muster zwei eng verknüpfte Konzepte. Der **fundamentale Attributionsfehler** (Lee Ross, 1977) beschreibt die Neigung, Verhalten anderer primär mit deren Charakter zu erklären und situative Faktoren dabei zu unterschätzen. Der **Aktor-Beobachter-Bias** (Jones & Nisbett, 1971) ergänzt die Kehrseite: Beim eigenen Verhalten werden bevorzugt die Umstände als Erklärung herangezogen. Zwei Beispiele: > *Ein Politiker ändert seine Meinung* → bei anderen: "Was für ein Heuchler." Bei sich selbst: "Ich habe neue Informationen erhalten und musste meine Position überdenken." > *Ein Kollege ist unfreundlich* → bei anderen: "Der ist arrogant." Bei sich selbst: "Ich hatte heute einen schlechten Tag." Dasselbe Verhalten, zwei Massstäbe – je nachdem, wer es zeigt. ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Der Denkfehler, der Generationen überlebt URL: https://www.nataliesdiary.com/der-denkfehler-der-generationen-uberlebt/ Last updated: 2026-08-16T06:30:51.000Z Geschichte ist manchmal erstaunlich unoriginell. Nicht, weil sie sich eins zu eins wiederholt. Sondern weil Menschen immer wieder dieselben Denkfehler machen. Einer davon lautet: *"Ich habe das im Griff."* Franz von Papen glaubte 1933, Adolf Hitler kontrollieren zu können. Und der Medienunternehmer Alfred Hugenberg war überzeugt, er könne Hitlers Bewegung für seine eigenen Ziele nutzen. Beide überschätzten sich. Beide wurden am Ende von genau der Entwicklung überrollt, die sie für beherrschbar hielten. Nein, daraus folgt nicht, dass man heutige Politiker oder Bewegungen mit damals vergleichen müsste. Geschichte ist nicht eins-zu-eins kopierbar. Auch wenn uns gewisse Kreise mir ihren permanenten Hitler-Vergleichen genau das verkaufen möchten. Aber sie ist ein ziemlich guter Spiegel menschlicher Selbstüberschätzung. Interessant ist nämlich: Dieser Denkfehler ist völlig unabhängig von der politischen Richtung. Auch auf der anderen Seite gab es ihn zur damaligen Zeit. Ende der 1920er-Jahre betrachteten die deutschen Kommunisten die Sozialdemokraten zeitweise als den gefährlicheren Gegner als die Nationalsozialisten. Die Parteizeitung der KPD nannte die SPD 1929 den "Sturmbock des Faschismus". Der Feind im eigenen Lager erschien bedrohlicher als der eigentliche Gegner. Eine gemeinsame Front gegen Hitler kam deshalb nie zustande. ## **Die Bubble** Warum erzähle ich das? Weil ich das Gefühl habe, dass wir auch heute weniger unter einem Mangel an Informationen leiden als unter einem Mangel an Selbstzweifeln. Jede Gruppe hält sich für die vernünftigste. Jede Bubble glaubt, die Manipulation der anderen längst durchschaut zu haben. Und genau darin liegt vielleicht die eigentliche Ironie: Wer überzeugt ist, selbst völlig unabhängig zu denken, sitzt oft schon mitten in seiner selbst geschaffenen Gedankenblase. Früher sprach man von politischen Lagern. Heute sprechen wir von Bubbles. Der Unterschied ist subtil. Lager hatten sichtbare Grenzen. Heute übernehmen Algorithmen einen Teil dieser Arbeit. Sie zeigen uns bevorzugt das, worüber wir uns aufregen, was unsere Meinung bestätigt und uns möglichst lange am Bildschirm hält. Niemand muss uns sagen, was wir denken sollen. Es reicht oft schon, uns immer wieder das Gleiche zu zeigen. Und das wirkt! Ob wir es wollen oder nicht. Vielleicht ist genau das die eigentliche Lehre aus der Geschichte: Nicht, dass immer "die anderen" denselben Fehler machen. Sondern dass Menschen erstaunlich gut darin sind, ihre eigene Unfehlbarkeit zu überschätzen. Vielleicht beginnt echtes Denken genau dort, wo man sich gelegentlich fragt: > **"Wo könnte ich mich gerade irren?" oder sogar: "Wo könnte der andere gerade recht haben?"** Man liegt deshalb nicht automatisch falsch. Aber diese Frage ist oft der einzige zuverlässige Schutz davor, sich selbst für die Ausnahme zu halten. --- ## 🧠 Warum wir so ticken Die Psychologin Emily Pronin nennt es den **Bias Blind Spot**: Menschen erkennen Denkfehler bei anderen zuverlässig, bei sich selbst fast nie. In ihren Studien hielten sich fast alle Befragten für unterdurchschnittlich beeinflussbar, egal wie gebildet oder reflektiert sie waren. Und je mehr jemand über die eigene Position nachdachte, desto sicherer fühlte er sich, obwohl genau das eigentlich hätte misstrauisch machen sollen. Verwandt ist der **naive Realismus**: die stille Annahme, man selbst sehe die Welt einfach, wie sie ist, während die anderen durch Ideologie oder Gruppenzugehörigkeit gefärbt urteilen. Wer so denkt, hält abweichende Meinungen fast automatisch für einen Mangel an Vernunft beim Gegenüber. Jedoch selten für eine mögliche Verzerrung bei sich selbst. Beide Effekte erklären, weshalb die Frage "Wo könnte ich mich gerade irren?" tatsächlich etwas leistet. Sie ist einer der wenigen bekannten Wege, den blinden Fleck kurz sichtbar zu machen, wohl wissend, dass er sich meist schon wieder neu eingerichtet hat, sobald man glaubt, ihn überwunden zu haben. ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Wie ruiniert man eine Gesellschaft? URL: https://www.nataliesdiary.com/wie-ruiniert-man-eine-gesellschaft/ Last updated: 2026-08-09T06:30:27.000Z Heute zur Abwechlung einmal etwas ganz anderes. Wenn ich nachts nicht schlafen kann, mache ich nicht etwa was Vernünftiges, wie eine Einschlafmeditation oder einen Beruhigungstee trinken. Nein, ich stelle merkwürdige Fragen an künstliche Intelligenzen. So wie die folgende: > «Wenn du den Auftrag bekämst, eine Gesellschaft ( Region, Land, Kontinent ) zu destabilisieren, wie würdest du das tun? Und wer würde den grössten Nutzen daraus ziehen?» Die Antwort stammt von Claude, einer KI von Anthropic. Ich kopiere sie unverändert hierher und lasse das mal so stehen. Das «Einordnen» überlasse ich dem geneigten Leser. Oder der Leserin. --- ## Die KI antwortet "Das ist eine klassische Frage der Politikwissenschaft, Geopolitik und historischen Analyse — und wird in Universitätskursen, Geheimdienstausbildungen und Think-Tanks regelmässig durchgespielt. Ich beantworte sie analytisch. **Wie man eine Gesellschaft destabilisiert — das Standardplaybook** **1\. Institutionen untergraben** - Vertrauen in Justiz, Wahlen, Medien und Polizei erodieren - Nicht durch offene Zerstörung, sondern durch **permanenten Zweifel**: *"Alles ist korrupt, alles ist manipuliert"* - Ziel: Die Bevölkerung glaubt keiner Institution mehr — auch nicht denen, die funktionieren **2\. Soziale Fragmentierung** - Bestehende Risse vertiefen: Klasse, Ethnizität, Religion, Gender, Stadt/Land - **Beide Seiten gleichzeitig radikalisieren** — der Konflikt selbst ist das Ziel, nicht der Sieg einer Seite - Extrempositionen in den Mainstream pushen, moderatem Ausgleich den Sauerstoff entziehen **3\. Informationsökologie vergiften** - Nicht eine Lüge verbreiten, sondern **so viele widersprüchliche Narrative**, dass niemand mehr weiss, was stimmt - Echte Skandale mit gefälschten mischen → Unterscheidung wird unmöglich - Ziel: **epistemisches Chaos** — keine gemeinsame Realität mehr **4\. Wirtschaftliche Stressverstärker** - Bestehende Ungleichheit sichtbar machen und emotional aufladen - Finanzkrisen, Inflation oder Arbeitslosigkeit **nicht erzeugen**, sondern **instrumentalisieren** - Die Wut kanalisieren — auf Sündenböcke statt auf Systemursachen **5\. Elitenkorrumpierung** - Schlüsselpersonen in Politik, Medien, Wirtschaft kaufen oder kompromittieren - Nicht alle — genug, damit **niemand weiss, wem er noch trauen kann** - "Cui bono?"-Paranoia als Waffe **6\. Legitimitätsentzug des Staates** - Den Staat zwingen, **überzureagieren** (Repression, die neue Feinde erzeugt) - Oder ihn in **Lähmung** treiben (endlose Debatten, keine Handlungsfähigkeit) - Beides führt zum selben Ergebnis: Der Staat wirkt entweder tyrannisch oder impotent --- **Wer zieht den grössten Nutzen?** Das hängt vom Kontext ab — aber es gibt ein Muster: **Externe Akteure** (klassisch: Grossmächte, die einen Konkurrenten schwächen wollen) → Ein destabilisiertes Land ist aussenpolitisch beschäftigt mit sich selbst, militärisch geschwächt, wirtschaftlich erpressbar **Interne Extremisten beider Lager** → Krisen schaffen Nachfrage nach radikalen Lösungen — die Mitte verliert, die Ränder gewinnen **Autokratische Bewegungen** → Chaos erzeugt den Ruf nach "Ordnung" — klassischer Weg zur Machtkonsolidierung (*Weimar → Hitler* ist das Lehrbuchbeispiel) **Grosskapital / oligarchische Strukturen** → Regulierungsversagen im Chaos, Aufkauf von Assets zu Krisenpreisen, Schwächung von Gewerkschaften und Zivilgesellschaft --- **Das Beunruhigende** Die meisten dieser Mechanismen **brauchen keinen zentralen Auftraggeber**. Sie laufen auch durch: - Algorithmen, die Empörung belohnen - Politische Akteure, die kurzfristig von Spaltung profitieren - Medien, die Konflikt als Aufmerksamkeitsmodell nutzen Man muss keine Verschwörung annehmen, um die Wirkung zu sehen." ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestütz. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Kaffeepause: Sprachfreiheit URL: https://www.nataliesdiary.com/kaffeepause-sprachfreiheit/ Last updated: 2026-08-04T05:30:30.000Z > **"Darum ist der Kampf um die Sprache eine wesentliche Voraussetzung für die geistige Selbstbehauptung"** (Franz Josef Strauss) Wer bestimmt, welche Worte in einer Gesellschaft erlaubt oder unerwünscht sind, und welche Bedeutung Worte haben (sollen), beeinflusst viel mehr als nur die Sprache. Darum beginnt Freiheit nicht erst bei Wahlen oder Gesetzen. Sondern schon bei der Frage, ob Menschen noch wagen, Dinge beim Namen zu nennen. Oder ob sie die Freiheit haben, zu entscheiden, wie sie sprechen. Sprachliche, moralisch begründete Umerziehung, ist ein starker Eingriff, ich wage sogar zu sagen "übergriffig". Ich bin sehr gerne ein freier Mensch. Und Du? Gespannt auf Deine Meinung und Erfahrung mit **der freien Sprache**. Schreibs mir gern persönlich an info@nataliesdiary.com oder in die Kommentare. ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Musik - Der schönste Gegenentwurf zur Empörungskultur URL: https://www.nataliesdiary.com/musik-der-schonste-gegenentwurf-zur-emporungskultur/ Last updated: 2026-08-02T06:30:03.000Z Heute Abend konnte ich wunderbare Live Musik hören. Unter freiem Himmel. Klavier, Saxophon, Gitarre, Drums, Gesang. Die Musiker hatten sichtlich Freude am gemeinsamen Musizieren. Eine davon war meine Klavierlehrerin. Sie sprühte vor Leidenschaft für die Musik an diesem Abend. Als ich ihr nach dem Konzert sagte, wie toll das alles war, wie besonders die Atmosphäre, antwortete sie: “Ja wir hatten viel Spass miteinander. Vor allem aber hat sich keiner von uns zu wichtig genommen.” Ist das vielleicht die Kunst, die wir mehr und mehr verlernen? Uns nicht zu wichtig zu nehmen? Ein Miteinander und eine Verbindung trotz Unterschiede? Kommt es mir nur so vor oder ist seit der Corona-Pandemie das Gegeneinander und Bekriegen, dieses unausgesprochene “Du musst Dich für eine Seite entscheiden” exorbitant gewachsen? Seit sechs Jahren suchen wir in erster Linie unsere Unterschiede und erklären die Meinungen der anderen Seite zu No-Gos. Meist versehen mit einem moralischen Stempel. Und wollen dann nichts mehr miteinander zu tun haben. Wir erklären unsere Wahrheit zur einzigen und glauben, die andere Seite stehe ohne Frage auf der falschen Seite. Ist doch viel bequemer so, als sich mit fremdem Gedankengut auseinanderzusetzen. Könnte ja noch rauskommen, dass man selbst doch nicht die **ganze** Wahrheit kennt. > **„Musik ist die gemeinsame Sprache der Menschheit.“** – Henry Wadsworth Longfellow Warum sehen wir nicht über das Anderssein hinweg oder finden sogar gemeinsam Lösungen, indem wir versuchen, ein Problem aus der Sicht des jeweils **anderen** zu betrachten? Ist das wirklich so schlimm? Zurück zur Musik: Musik macht uns wieder zu Menschen, die in diesem Moment einfach nur hören und fühlen. Und sonst nichts. Ich fand die Atmosphäre an diesem Live-Konzert unglaublich erleichternd. Mir standen Tränen in den Augen. Denn ich verabscheue diese Spaltung, dieses Lagerdenken, diese "Wir gegen die"-Mentalität. Das Bitterste daran: Die Mauern, die wir so bedauern, sind hausgemacht. **Wir persönlich, Du und ich,** trennen, als gäbe es keine andere Möglichkeit. Lasst uns wieder mehr miteinander reden, statt bekriegen. Und vor allem: Lasst uns gemeinsam Musik hören, Musik machen, Live-Musik Abende besuchen und zusammen schwelgen. Denn vielleicht beginnt das Ende der Spaltung nicht mit einem guten Argument sondern mit einem Lied, das uns beide auf die gleiche weise berührt. --- ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Empörung frisst Humor URL: https://www.nataliesdiary.com/emporung-frisst-humor/ Last updated: 2026-07-25T06:30:58.000Z > “Wesentlichste Dinge im Leben sind nicht zuletzt der Humor und die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen.” (Yehudi Menuhin) Den Humor als "wesentlichste Dinge im Leben" zu bezeichnen, finde ich ja mal sowas von nachdenkenswert! Sind wir gerade dabei, etwas "Wesentliches" zu verlieren? Yehudi Menuhins dreijähriger Sohn verwechselte im Übrigen «human» mit «Humor». Wenn ich mir unsere Gesellschaft im allgemeinen und die sozialen Medien im speziellen anschaue, denke ich mir: Vielleicht war der Kleine ein Genie! Denn irgendwo zwischen Hashtags, Kommentarspalten und moralischen Erweckungserlebnissen scheint uns etwas verloren gegangen zu sein, das direkte Auswirkungen auf die Menschlichkeit hat. Vor nicht allzu langer Zeit konnte man anderer Meinung sein und sich danach trotzdem gemeinsam an einen Tisch setzen und miteinander lachen. Heute reicht es, die falsche Ansicht über Politik, Einwanderung, Klima, Corona, Gendersternchen, Feminismus, Wölfe oder die Farbe von Gartenzwergen zu haben, und schon wird man behandelt, als hätte man persönlich den Untergang der Zivilisation geplant. Besonders faszinierend finde ich die moderne Form der Toleranz. Sie funktioniert ungefähr so: > “Ich respektiere jede Meinung.” > Pause. > “Ausser diese. Und diese. Und diese. ....ja...ne, die auch nicht." Wer heute eine unpopuläre Ansicht äussert, bekommt oft keine Argumente mehr geliefert. Stattdessen wird die Person selbst zum Problem erklärt. Das spart eine Menge Zeit und Denken. Empörung hat den Humor ersetzt. Dabei wäre es so viel entspannter, wenn wir wieder lernen würden, über uns selbst zu lachen. Über unsere eigenen Widersprüche, Irrtümer und gelegentlichen geistigen Totalschäden. Ich selbst natürlich vollumfänglich eingeschlossen. Denn die Wahrheit ist: Wir liegen alle manchmal daneben. Manche von uns sogar regelmässig. Und trotzdem geht die Sonne am nächsten Morgen auf. Der Hund will wie immer raus. Irgendwo kocht irgendjemand Kaffee. Die Bäume wachsen unbeirrt. Die Erde dreht sich. Völlig unbeeindruckt von unserer Meinung oder Empörung über irgendetwas. Vielleicht hat Menuhins Sohn also tatsächlich etwas Wichtiges erkannt. Humanität und Humor sind enger verwandt, als wir glauben. Wer über sich selbst lachen kann, muss andere nicht permanent belehren, retten oder vernichten. Vielleicht wäre genau das ein guter Anfang. Weniger Empörung. Mehr Gelassenheit. Und hin und wieder ein herzliches Lachen über die eigene Grossartigkeit. Denn meistens ist die deutlich kleiner, als wir denken. ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestütz. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Bückbürgertum - Ich bin erst auf Seite 85. Na und? URL: https://www.nataliesdiary.com/der-buckburger-eine-buchempfung-von-herzen/ Last updated: 2026-07-22T16:00:20.000Z Nach ***Shitbürgertum*** nun das ***Bückbürgertum*.** Derzeit bin ich auf Seite 85\. Schnell kann man das eh nicht lesen… …ganze zwei Passagen habe ich bis jetzt fett angestrichen: > „…Franz-Josef Strauss, einen Intellektuellen, der sich antiintellektuell inszenierte,…“ (Beim Franz-Josef schlägt mein bayerisches Herz sowieso immer etwas schneller.) > **Moralaristokratie** (Schöne Begriffe, die Zeitgenössisches auf den Punkt bringen, gefallen mir sowieso.) Nun lese ich also das zweite Buch seiner voraussichtlichen Trilogie. **Shitbürgertum** war das erste Erzeugnis, dieses nun das zweite und das dritte scheint wohl **Fightbürgertum** zu heissen. Der Name des Herrn, den ich mir gerade zu Gemüte führe, ist **Ulf Poschardt**. Ein Porsche fahrender, sehr gescheiter Mann, der sich um nix scheisst, wie man in Bayern sagt. Ganz im Gegenteil: Wenn er in einer Talkshow sitzt, hängt man gebannt an seinen Lippen, aus denen gemächlich - auf keinen Fall gehetzt - die interessantesten Gedanken und Formulierungen kugeln. Meist als Seitenhieb oder als direkter Spiegel der offensichtlichen Blödheit seines Gegenübers (und wie ich finde, oft vollkommen angebracht). Am Morgen lese ich meinem Mann jeweils aus dem Buch vor und wir unterhalten uns anschliessend über die klugen Passagen des Herrn Poschardt. Darum dauert es bei uns auch immer eine Ewigkeit, bis so ein Buch fertiggelesen ist. In der Regel veröffentlichen die Leute ihre Kritiken erst, wenn sie ein Buch durch haben. Macht ja auch Sinn. Aber ich tue nicht immer das, was Sinn ergibt. Und so ist es auch hier. Der Mann bekommt allein aufgrund seines ersten Buches **Shitbürgertum** einen ordentlichen Vorschuss an Vertrauen. Also lasst Euch nicht von schrägen Leuten, die Euch eventuell nur maximal bevormunden wollen, davon abhalten, dieses absolut lesenswerte Buch eines interessanten Menschen zu besorgen! > *Ich weiss, ich weiss. Auf dem Titelbild fehlt das *d* in Poschardts Namen. Ich kann Euch versichern, dass ich meine KI diverse Male beauftragt habe, dieses nachzurüsten. Aber sie war wohl zu müde, hat mir erst die Arbeit verweigert und anschliessend das Format des ganzen Bildes auseinandergepflückt. Also dachte ich mir: Lassen wir's und schauen, welche Schlaumeier das entdecken.* ## ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Kaffeepause: Begegnungen URL: https://www.nataliesdiary.com/kaffeepause-begegnungen/ Last updated: 2026-07-18T10:11:10.000Z Vielleicht ist eine **echte Begegnung** genau das, was passiert, wenn zwei Menschen für einen Moment aufhören, sich gegenseitig überzeugen zu wollen. Wenn keiner von beiden glänzen muss. Keiner sich verteidigt. Keiner bereits innerlich seine Antwort formuliert, während der andere noch spricht. Sondern beide einfach neugierig darauf sind, den Menschen hinter der Meinung kennenzulernen. Vielleicht fühlen sich deshalb manche Gespräche trotz Stunden erstaunlich leer an, während andere nach wenigen Minuten etwas hinterlassen, das noch lange nachklingt. Eine echte Begegnung entsteht vermutlich nicht dadurch, dass zwei Menschen derselben Meinung sind. Sondern dadurch, dass beide bereit sind, sich für einen Augenblick irren zu dürfen. --- Gespannt auf Deine Meinung und Erfahrung mit Begegnungen in Deinem Leben. Schreibs mir gern persönlich an info@nataliesdiary.com oder in die Kommentare. ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Die Angst vor der Tiefe URL: https://www.nataliesdiary.com/die-angst-vor-der-tiefe/ Last updated: 2026-08-02T09:11:12.000Z > **„Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht.“ (Friedrich Nietzsche in "Also sprach Zarathustra")** Manche Menschen erinnern an einen dunklen See in der Dämmerung. Man weiss nie genau, was sich unter der Oberfläche befindet. Genau das halten viele, der sie umgebenden Zeitgenossen nicht aus. Wenn dann etwas unerwartetes aus dieser Tiefe emporsteigt, das dem Bild nicht entspricht, das sie sich von diesem Menschen gemacht haben, geraten sie in Panik. **Ambiguitätstoleranz** nennt man die Fähigkeit, genau das auszuhalten. Es ist die Fähigkeit mit Ungewissheit und Unsicherheit zurechtzukommen. Und das bezieht sich nicht nur auf komplexe Menschen, sondern auch auf komplexe Themen des Lebens. Denn vieles ist nicht so, wie es schwarz auf weiss in den Medien steht. Oder wie es der nächste Freund oder Nachbar uns erzählt hat. Situationen oder Menschen in ihrer Tiefe verstehen zu können (und zu wollen) hat nicht nur etwas mit Intelligenz zu tun. Nicht nur mit Bildung. Menschen, die andere als tiefgründig erleben, zeichnen sich häufig dadurch aus, dass sie mehrere Wahrheiten gleichzeitig aushalten können. Dass sie Fragen interessanter finden als schnelle Antworten. Dass sie nicht jeden Menschen sofort in Schubladen sortieren müssen. Dass sie eine grosse Portion Offenheit für neue Erfahrungen und Perspektiven mitbringen. Tiefe macht das Leben manchmal anstrengender, weil Schwarz-Weiss plötzlich in tausend Grautöne zerfällt. Doch sie macht es auch reicher. Vielleicht ist Tiefe am Ende nichts anderes als die Bereitschaft, länger hinzusehen, wenn alle anderen schon weitergegangen sind. Und vielleicht ist Tiefe heute deshalb so selten geworden, weil sie etwas verlangt, das kaum noch jemand mitbringt: Die Bereitschaft, sich irren zu können. --- ## 🧠 Warum wir so ticken Die Psychologie bezeichnet mit **Ambiguitätstoleranz** die Fähigkeit, Widersprüche und Mehrdeutigkeiten auszuhalten, ohne sie sofort auflösen zu müssen. Menschen mit einer hohen Ambiguitätstoleranz können akzeptieren, dass zwei scheinbar gegensätzliche Aussagen gleichzeitig wahr sein können. Zum Beispiel, dass jemand seine Meinung aus guten Gründen geändert hat und man sie trotzdem nicht teilen muss. Oder dass ein Mensch sowohl liebevolle als auch verletzende Seiten in sich tragen kann. Wer dagegen wenig Ambiguitätstoleranz besitzt, sucht häufiger nach einfachen Kategorien wie richtig oder falsch, gut oder böse. Das schafft schnelle Orientierung, wird der Komplexität des Lebens aber oft nicht gerecht. Die Psychologin Else Frenkel-Brunswik prägte 1949 den Begriff der **Ambiguitätstoleranz.** Sie entwickelte das Konzept im Rahmen ihrer Forschung zu autoritären Persönlichkeitsstrukturen und stellte fest, dass Menschen mit geringer Ambiguitätstoleranz eher zu starrem Schwarz-Weiss-Denken neigen ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Kaffeepause: Hochproblematisch! URL: https://www.nataliesdiary.com/kaffeepause-hochproblematisch/ Last updated: 2026-07-18T10:15:43.000Z Das Wort „hochproblematisch“ begegnet mir in letzter Zeit ständig. In Artikeln. In Kommentaren. In Kommentaren unter Kommentaren. Irgendetwas scheint heute nicht mehr einfach fragwürdig, falsch oder kritikwürdig zu sein. Es ist gleich „hochproblematisch“. Warum nicht einfach sagen: „Das ist für mich aus diesen Gründen nicht akzeptabel“ und die Gründe dann benennen? Warum stattdessen ein Begriff, der klingt, als hätten soeben ein Ethikrat, eine Taskforce oder gleich drei Ombudsstellen die Sirene ausgelöst, weil hier ein grobes Unrecht passiert? Während ich das schreibe, fallen mir gleich zwei Dinge auf: 1\. Das Wort an sich, mit moralischer Aufladung und einem gewissen Alarmfaktor, wird so inflationär gebraucht, wie das wort "toxisch", "Nazi" oder "Faschist", dass ich es fast nicht mehr ernst nehmen kann und mir ein gewisses süffisantes Lächeln ins Gesicht zaubert. 2\. Es ist nicht nur das Wort an sich, sondern auch der Kontext, in dem es oft auftaucht. Die Formulierung "Etwas IST hochproblematisch" suggeriert ja, dass hier ein Fakt vorliegt, der eher nicht angezweifelt werden darf, keine persönliche Meinung. Vielleicht bin ich altmodisch. Aber ich mag Begründungen. Ich mag Argumente. Ich mag Diskussionen. Verwendest Du dieses Wort? Und wenn ja, warum? Oder bekommst Du dabei auch inzwischen dieses kleine, unfreiwillige Grinsen ins Gesicht? --- Gespannt auf Deine Meinung und Erfahrung mit Wort "hochproblematisch". Schreibs mir gern persönlich an info@nataliesdiary.com oder in die Kommentare. ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Die Frauenprüfung URL: https://www.nataliesdiary.com/die-frauenprufung/ Last updated: 2026-07-12T07:00:59.000Z Vor ein paar Tagen habe ich auf der Plattform Threads etwas gewagt, das sich als erstaunlich riskant herausstellte: Ich habe vorgeschlagen, Menschen nach ihrem Charakter statt ihrem Geschlecht zu beurteilen (verurteilen). Sogar Männer! Ich weiss. Radikale Zeiten. Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. Mir wurde erklärt, dass ich Feminismus nicht verstanden hätte. Ausserdem sei ich eine „Pick Me“. Für alle, die den Begriff nicht kennen: Eine Pick Me ist offenbar eine Frau, die etwas Falsches denkt. Falsch ist alles, was ein vermeintliches Patriarchat vertritt. Und diese Frau verrät ihre Geschlechtsgenossinnen zugunsten der bösen Männer. Das Konzept fasziniert mich. Jahrzehntelang kämpften Frauen darum, als eigenständige Individuen wahrgenommen zu werden. Heute scheint die Entwicklung so weit fortgeschritten zu sein, dass Frauen wieder exakt dasselbe denken müssen. Fortschritt ist doch etwas Wunderbares. Besonders beeindruckt hat mich die folgende elegante Logik: Frauen sind starke, unabhängige Wesen, die für sich selbst denken können. Ausser sie kommen zu einem anderen Schluss. Dann haben sie Misogynie internalisiert, sind „Pick Mes“ oder wurden vermutlich heimlich vom Patriarchat ferngesteuert. Praktisch. So spart man sich jede Diskussion. Ich stelle mir inzwischen vor, wie irgendwo ein Prüfungsausschuss sitzt: "Willkommen zur Frauenprüfung. Frage 1: Sind alle Männer problematisch?" Wer zögert, bekommt einen roten Stempel auf die Stirn: > **"Hochproblematisch. Frausein vorläufig aberkannt."** Manchmal wirkt die Realität bereits wie Satire. Und genau dann wird es interessant. *Wer sich die Diskussionen über dieses Thema geben möchte, darf mich gerne auf* [*Threads*](https://www.threads.com/@barth%5Fnatalie/post/DZ2fzaNDKDf?xmt=AQG0op0rma%5F9MqBL-FHPNx-H5MclwTV%5F1i4HHSiSATiUqA&ref=nataliesdiary.com) *besuchen.* *Mein problematischer Post hatte über 11'000 Aufrufe, 350 Kommentare und 340 Likes* ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Kaffeepause: Multikulturalismus? URL: https://www.nataliesdiary.com/kaffeepause-multikulturalismus/ Last updated: 2026-07-18T10:15:18.000Z > "Wenn alle Kulturen gleichwertig sind, dann ist Kannibalismus nur eine Frage des kulinarischen Geschmacks." Das Zitat stammt so nicht wörtlich von Leo Strauss (auch wenn es seit 2025 als genau das durchs Netz geistert). Aber der Gedanke dahinter schon. Übertragen wir das mal auf die Gegenwart: Wer felsenfest behauptet, alle Kulturen seien gleich viel wert (sonst ist man ja bekanntlich sofort Ausländerfeind, Rassist, Nazi – zutreffendes bitte selbst ankreuzen), der darf logischerweise auch nicht mehr sagen, dass die Ehrenmord-Ideologie\* radikalislamistischer Milieus schlechter ist als unsere Werte. Es gibt archaisch-patriarchale Wertesysteme, die genau das – die Tötung von Frauen oder Töchtern zur "Wiederherstellung der Familienehre" – legitimieren, und sie werden nicht an der Grenze abgegeben, sondern reisen in den Köpfen radikalisierter Einzelner mit nach Zürich, Berlin oder Wien. Dann ist das aber halt "einfach eine andere Kultur". Fertig, Diskussion beendet, nächstes Thema. Genau diesen blinden Fleck wollte Strauss wohl freilegen: Wer alles für gleich erklärt, hat am Ende kein Argument mehr übrig, um irgendetwas – und sei es noch so menschenverachtend – abzulehnen. Dann freu ich mich schon mal jetzt auf den nächsten Grillabend mit dem verfeindeten Nachbarn. Guten Appetit. --- Gespannt auf Deine Meinung über Multikulturalismus. Schreibs mir gern persönlich an info@nataliesdiary.com oder in die Kommentare. ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. 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Vor kurzem fand ich meine alten Artikel wieder. Und dachte: Des könnte von heute sein. Erschreckend aktuell. A bisserl unbequem und provokant. Also bringe ich Natalies' Diary zurück. Gedanken zum Zeitgeist. Das Leben ohne Filter. Alte Artikel, neue Texte — und manche auch zum Anhören. Ohne Schönfärberei. Trotzdem mit Energie und manchmal auch mit kontroversen Gedanken. Und a bisserl Mutmacherei. 🙂 **Viel Freud und i freu mi aufs Feedback!** ### Kaffeepause: AfD-Kleber URL: https://www.nataliesdiary.com/kaffeepause-afd-kleber/ Last updated: 2026-07-18T10:16:38.000Z > **AfD-Parteitag in Erfurt – Erste Demonstranten an Bahngleisen festgeklebt** > Tausende Demonstranten darunter viele Linksextreme werden zum AfD-Parteitag erwartet – die Polizei ist deshalb mit einem Großaufgebot nach Erfurt gereist und hofft auf einen friedlichen Protest. **(**[**Zitat aus welt.de**](https://www.welt.de/videos/video6a45f3b3ae0977c5aff17e88/jetzt-im-livestream-afd-parteitag-in-erfurt-erste-demonstranten-an-bahngleisen-festgeklebt.html?ref=nataliesdiary.com)**)** Wir haben jetzt zwar keine Klimakleber mehr, dafür aber AfD-Kleber. Möge das "Hoffen" der Polizei seine Wirkung zeigen. --- Gespannt auf Deine Meinung und Erfahrung zu den Aktionen am AfD-Parteitag. Schreibs mir gern persönlich an info@nataliesdiary.com oder in die Kommentare. ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Wir sind die Guten URL: https://www.nataliesdiary.com/scheinheilige/ Last updated: 2026-07-11T10:23:07.000Z Weisst Du, was mich wirklich müde macht? Nicht die Arbeit. Nicht der Alltag. Auch nicht die Wechseljahre (obwohl die inzwischen schon ganze Arbeit leisten!). Sondern Menschen, die mit erhobenem Zeigefinger durch die Welt marschieren und dabei so tun, als hätten sie die Wahrheit gepachtet: Politiker, Aktivisten, Kommentatoren, Journalisten und hinterherlaufende Normalos — alle mit derselben Melodie: > Wir sind die Guten. Ihr seid das Problem. Das nennt sich Moralismus. Und er ist nicht nur ein religiöses Phänomen — er ist überall. In der Politik ganz besonders. Man wechselt einfach die Kulisse, die Kostüme bleiben dieselben. Statt Bibel kommt die Parteilinie. Statt Sünde kommt fehlende politische Korrektheit. Statt Exkommunikation kommt Cancel Culture. Das Prinzip? Identisch. Dazu gesellt sich das Lagerdenken — dieses uralte «Wir gegen Die», das keine echte Auseinandersetzung mehr braucht, weil die Seiten längst feststehen. Wer nicht bei uns ist, ist gegen uns. Wer zweifelt, ist verdächtig. Wer Fragen stellt, ist das Problem. Was mich dabei am meisten stört, ist nicht die Überzeugung selbst. Überzeugungen sind gut. Überzeugungen brauchen wir. Was mich stört, ist die Heuchelei dahinter. Politiker, die Freiheit predigen und Verbote unterschreiben. Die Gleichheit fordern und Privilegien geniessen. Die Toleranz als Wert hochhalten — solange man ihrer Meinung ist. Ich kenne das aus nächster Nähe. Sehr nächster und in meinem Fall sehr religiöser Nähe. Manche von euch kennen meine Geschichte. Ich kann sagen: Moralismus und Heuchelei riechen immer gleich — egal welches Etikett draufklebt und egal ob der Rahmen religiös, politisch oder gesellschaftlich ist. Was ich mir wünsche? Mehr Grautöne. Mehr echte Auseinandersetzung. Weniger Schablonen. Weniger Lagerdenken. Weniger selektive Empörung. Und mehr Kaffeepausen — zum Durchschnaufen und Nachdenken. ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Ich bin eine Frau. Und ich fühle mich nicht als Opfer. URL: https://www.nataliesdiary.com/ich-bin-eine-frau-und-ich-fuhle-mich-nicht-als-opfer/ Last updated: 2026-07-11T10:23:47.000Z Ich muss etwas gestehen: Ich bin eine Frau und ich fühle mich nicht als Opfer. Nicht Opfer der Sprache, nicht der Politik, nicht der Männer. Ich weiss, das klingt für manche geradezu skandalös. Ich spreche von mir und all den Frauen da draussen, die keine Lust mehr haben, sich von gut gemeinten Gesetzen, gegenderten Texten und aufgeregten Aktivistinnen als schwaches, bedauernswertes Geschöpf behandeln zu lassen. Wir leben nicht im Iran, wo Frauen — und Männer — von einem Regime, das Gott auf seiner Seite wähnt, buchstäblich zu Tode gebracht werden. Wo ein neunjähriges Mädchen legal verheiratet werden darf. «Verheiratet», welch charmante Umschreibung für etwas, das in jedem anderen Kontext schlicht als das bezeichnet werden würde, was es ist: Pädophilie. Vergewaltigung. Wo Frauen auf der Strasse sterben, weil sie ihr Haar zeigen. Wo Männer hingerichtet werden, weil sie die falsche Meinung haben oder homosexuell sind. Ja, ich betreibe hier bewusst Whataboutism. Nur jetzt mal ganz im Ernst: Der Whataboutism funktioniert in diesem Fall eigentlich andersherum. Denn wenn ich mir vorstelle, wie eine iranische Frau, die täglich um ihre Grundrechte kämpft, unsere Genderdebatte beobachtet, dann muss sie glauben, sie sitzt im falschen Film. Wir streiten also darüber, ob ein Doppelpunkt in einem Wort die Gesellschaft gerechter macht. Während anderswo Frauen sterben, weil sie existieren. Ich finde, das darf man laut sagen. Nicht um unsere Probleme kleinzureden, sondern um sie in eine Relation zu setzen, die uns vielleicht hilft, die Energie dorthin zu lenken, wo sie wirklich gebraucht wird. Hier kämpfen wir mit Gendersprech und ein paar widerspenstigen Patriarchen, die — seien wir ehrlich — eher die Ausnahme bilden als die Regel. Das ist kein Grund zur Selbstgefälligkeit. Aber es ist ein Grund, nicht so zu tun, als wären wir kurz vor dem Untergang. Können wir ausserdem bitte aufhören, Männer als Feinde zu betrachten? Sie sind Menschen. Mit denen wir zusammenleben, zusammenarbeiten, zusammen Kaffee trinken. Diese ewige Aufteilung in «Wir — die Frauen» und «Die — die Männer» führt zu nichts ausser weiterer Spaltung. Und das braucht wirklich niemand. Und «Girls support Girls»? Ich supporte, wen ich will. Mann, Frau, divers. Ich supporte nicht eine Frau, weil sie eine Frau ist. Keine aufgezwungene Solidarität macht mich oder andere stark. Aber meine eigenen Entscheidungen tun das. Noch etwas, ganz direkt: Wer ernsthaft glaubt, dass Gendersternchen mehr Frauen in Führungspositionen bringen oder den Lohnunterschied beseitigen, der hat noch nie eine Gehaltsverhandlung geführt. Sprache allein ändert keine Strukturen. Haltung schon. Es gibt echte Opfer. Frauen, die tatsächlich Schutz und Unterstützung brauchen. Ihnen wird durch endlose Debatten über Sprachästhetik auch nicht geholfen. Ganz im Gegenteil, ihre Anliegen gehen im Lärm um Absurditäten unter. Also Mädels: Schultern gerade, hoch das Champagnerglas, und los... ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Der alte weisse Mann URL: https://www.nataliesdiary.com/alter-weisser-mann/ Last updated: 2026-07-11T10:24:12.000Z „Wer Kritik und Spott nicht aushält, muss in einer Gesellschaft dringend desensibilisiert werden.“ Das Zitat stammt aus der Feder des weissen alten Mannes Harald Martenstein und seinem Buch „Nettsein ist auch keine Lösung“. Ich gebe zu, ich bin ein kleiner Fan, dieses alten weissen Mannes. Einer der besten Kolumnenschreiber dieser Zeit mit leicht provokativer Ader und hervorragendem Gespür für die Triggerpunkte der aufgeregten Gesellschaft. Überhaupt mag ich alte weisse Männer sehr gerne. Vor allem wenn sie komisch sind. Oder provokant. Oder weise. Oder liebenswürdig. Oder grosszügig. Oder …. Ich glaube, sehr viele alte weisse Männer sind so. Dass der alte weisse Mann so ein negatives Image hat, ist für mich in unserer liberalen, weltoffenen Gesellschaft, die so viel Wert auf Gleichwertigkeit und die Bekämpfung des Rassismus legt, ein wenig unverständlich. Kann denn der alte weisse Mann etwas für seine Hautfarbe? Sein Alter? Sein Geschlecht? Ein bischen tut er mir leid. Die Antidiskriminierungsgesetze der jeweiligen Länder scheinen ihn nicht zu inkludieren. „Ein Herz und Inklusion für Vielfalt“ Aber kein Herz und keine Inklusion für den weissen alten Mann. Darum dachte ich mir, das übernehme ich doch heute mal: Danke an die vielen super alten weissen Männer da draussen, die sich wacker schlagen im Dschungel der Empörungen. Sicher gibt es auch ein paar saublöde alte weisse Männer. Aber gibt es die saublöden nicht in jeglicher Kultur, Hautfarbe, Altersklasse und jedem Geschlecht? ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen?t Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Die unbequeme Frau - Das unterschätzte Erfolgsmodell URL: https://www.nataliesdiary.com/die-unbequeme-frau/ Last updated: 2026-07-11T10:24:45.000Z Die Süddeutsche schreibt einen Artikel über Roxane Gay. Ich lese meinem Mann daraus begeistert vor: „Die amerikanische Autorin Roxane Gay ist bekannt für ihre Essays über Feminismus, Popkultur, sexuelle Gewalt und Rassismus. Ein Gespräch über „schwierige Frauen“.“ Ich halte kurz inne, sehe meinen Mann an und sage: „Ich wäre gerne eine schwierige Frau!“. Auch er sieht mich an und sagt in trockenem Ton und ernster Miene: „Da brauchst Du eigentlich nichts Zusätzliches dafür zu tun.“ Erst will ich mich aufregen über die leicht unverschämte Antwort. Denn irgendwie ist das Wort „schwierig“ ganz tief in mir drin doch eher mit etwas Negativem verbunden. Dann wird mir klar, dass das in die Kategorie der üblichen nicht ganz ernst gemeinten Sätze fällt, die wir uns oft gegenseitig zum Gag an den Kopf werfen. Und dann wiederum denke ich, dass da wohl auch ein Körnchen Wahrheit drinsteckt. Denn ja, manchmal bin ich wirklich schwierig. Schwierig und unbequem. Für so manchen Zeitgenossen scheine ich sogar eine richtig provokante Zumutung zu sein, wenn ich an die zum Teil sehr aufgebrachten Feedbacks denke, mit denen ich unter anderem bei Videos, Beiträgen oder Interviews in der Vergangenheit bedacht wurde. Genau das amüsiert mich andererseits aber auch wieder irgendwie. > ***Frauen, die nichts fordern, werden beim Wort genommen – Sie bekommen nichts.“ (Simone de Beauvoir)*** Ich frage mich: Wann wird man denn als unbequem, kompliziert oder schwierig eingestuft? Zum Beispiel dann, wenn man Dinge anspricht und ausspricht, die das gesellschaftliche Umfeld lieber gerne in grosses Schweigen hüllen würde, sogenannte Tabus. Wenn man Misstände, Heuchelei und Ungerechtigkeit aufdeckt. Wenn man etwas hinterfragt oder sogar angreift, was allgemein als richtig, moralisch bzw. politisch korrekt oder unantastbar gilt. Wenn man etwas kritisiert, was anderen als „heilig“ gilt. Wenn man eine konträre Ansicht zum dem vertritt oder auslebt, was als angebracht und angemessen gilt. Oder auch wenn man für die Rechte unterdrückter Minderheiten (nein, ich meine damit nicht Frauen im Westen, da weder unterdrückt noch Minderheit) eintritt. Einfach eben: Etwas anders machen als die meisten anderen. Oder anders, als die meisten anderen es ERWARTEN. In diesem Fall empfinde ich die Prädikate „schwierig“ „kompliziert“, „unbequem“ dann doch wieder eher als eine Auszeichnung. Mir wurde – wie vielleicht vielen anderen Frauen auch - schon von klein auf beigebracht, in erster Linie lieb und nett und freundlich zu sein. Dafür zu sorgen, dass Harmonie einkehrt und sich alle wohlfühlen. Bescheiden im Hintergrund, nicht zu laut, nicht zu emotional. Und bitte immer schön ausgeglichen, sonst gilt man gleich als hysterisch. Heftige Debatten oder konfrontative Diskussionen scheinen eher den Männern vorbehalten zu sein. Eine diskutierende, fordernde Frau? Au weia, ganz schwierig. Und vor allem nervig. Ein diskussionsfreudiger, fordernder Mann? Der weiss was er will, der kann gut verhandeln, der kommt im Leben weit! Ich glaube aber, es wäre ein Fehler zu sagen, dass nur Frauen ein Problem damit haben, als schwierig zu gelten und damit unangenehm aufzufallen. Wir betreiben in unserer Gesellschaft, unabhängig vom Geschlecht, ein irgendwie bizarr anmutendes Spiel, bei dem wir unsere eigentliche Persönlichkeit manchmal bis zur Unkenntlichkeit unterdrücken, um irgendwie „reinzupassen“ und nicht „anzuecken“. Eins meiner Lieblingsbücher ist „Nett ist die kleine Schwester von Scheisse“ von Rebecca Niazi-Shahabi. Sie sagt: „Wer sich immer brav im Hintergrund hält und verbindlich lächelt, hinterlässt ausser einem lauwarmen Händedruck bestimmt keine weiteren Spuren.“ Mal abgesehen davon, dass so ein Mensch keine weiteren Spuren hinterlässt – vielleicht will ja auch nicht jeder Spuren hinterlassen – ist die viel grössere Misere die, die man sich damit selbst antut. Das Einsperren der eigenen Persönlichkeit, des eigenen Lebensmodels, der eigenen Lebendigkeit in ein Korsett aus gesellschaftlichen Erwartungen. Nein Danke. Keine Lust. Da bin ich lieber schwierig. Aber dafür lebendig. Und in gewisser Weise fordernd, aber dafür bekomme ich auch das, was ich will. Zumindest immer öfter. Quelle: [https://www.sueddeutsche.de/kultur/literatur-essay-roxane-gay-feminismus-1.5482986](https://www.sueddeutsche.de/kultur/literatur-essay-roxane-gay-feminismus-1.5482986?ref=nataliesdiary.com) ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Virtue signalling - Seht her, ich bin gut! URL: https://www.nataliesdiary.com/virtue-signalling-seht-her-ich-bin-gut/ Last updated: 2026-07-11T10:25:19.000Z Es gibt einen englischen Begriff, der seit den 2000ern kursiert und in abfälliger Weise für die Zurschaustellung des eigenen moralisch vorbildlichen Verhaltens verwendet wird: Virtue signalling. Eine wirkliche deutsche Übersetzung gibt es nicht. Manchmal wird es als Tugendprotzerei oder Tugendprahlerei übersetzt. Im Grunde geht es darum, dass man nach Aussen eine „moralische Korrektheit der eigenen Position zu einem bestimmten Thema demonstriert“. Die NZZ sagt: „Nicht tugendhaft sein, sondern tugendhaft scheinen“. Es geht also vor allem um das SCHEINEN, und nicht wirklich darum, dass man diese Tugendhaftigkeit auch selbst praktiziert. Oder es geht um die Rechtfertigung der eigenen Person, man will als jemand gelten, der einfach „auf der richtigen Seite“ steht. Man möchte offiziell zu den „Guten“ gehören und sich von den „Schlechten“ distanzieren. Mir fällt da spontan der Begriff „nachhaltig“ ein, mit dem sich inzwischen selbst die unnachhaltigsten Firmen schmücken, um ihre Kundschaft zu behalten. Was ist eigentlich „Tugend“? Das Wort ist ja schon fast antiquiert und wird nur noch selten in unserer Sprache verwendet. Wo der Begriff herkommt und pi pa po kann man hier gerne ausführlich nachlesen: [https://www.juraforum.de/lexikon/tugend](https://www.juraforum.de/lexikon/tugend?ref=nataliesdiary.com). Mit den Worten von Wikipedia zusammengefasst „bezeichnet (es) in der Ethik eine als wichtig und erstrebenswert geltende Charaktereigenschaft, die eine Person befähigt, das sittlich Gute zu verwirklichen.“ Je nachdem, welche Weltanschauung man bevorzugt, schliessen die diversen Tugendkataloge unterschiedliches Verhalten ein, z.B. Tapferkeit, Mässigung, Gerechtigkeit, Geduld, Fleiss, Reinlichkeit, Pünktlichkeit, Wahrheit etc. Ja, wir zeigen alle gerne, dass wir zu den „Guten“ gehören (wollen). In den sozialen Medien bedienen wir uns Hashtags und posten in den Stories unsere guten Aktivitäten. Im Alltag zeigen wir durch Kleidung, Frisur oder durch unsere sprachliche Ausdrucksweise, dass wir eine bestimmte Position vertreten. Wir tun es alle, bestimmt auch oft aus edlen Motiven und nicht nur, weil wir lediglich gut aussehen wollen. Warum ich es trotzdem so schrecklich finde? Weil der Übergang zum Schwarz-Weiss-Denken und damit zum Extremismus schleichend ist und die Heuchelei nicht weit. Heute bin ich noch gegen die Diskriminierung von Andersdenkenden. Und morgen schon diskriminiere ich selbst die, die anders denken als ich. Heute noch demonstriere ich gegen Rechtsradikale und ihre aggressive Art. Morgen rufe ich selbst zur Gewalt gegen Menschen auf, die meiner Meinung nach rechtsradikal sind. Plötzlich gibt es eine Menschengruppe, die man entmenschlichen und zur Gewalt gegen Sie aufrufen darf, denn wenn einer ein „Nazi-Schwein ist, hat er alle Rechte verspielt“. Virtue signalling at its best! Oder „Seht her, ich gehöre zu den Guten! Ich habe die richtige Einstellung und ehrliche Ziele! Du nicht.“ Menschen in Kategorien „gut“ und „schlecht“, Verhalten in „richtig“ und „falsch“ einzuordnen, ohne etwas dazwischen zuzulassen, und das Konstruieren von Freund-Feind-Bildern ist übrigens ein ziemlich deutliches Zeichen für Extremismus. Quellen: [Virtue signalling – Wikipedia![](https://storage.ghost.io/c/55/8b/558b835c-0e20-4fc8-9674-7f7d4b8c9a74/content/images/icon/wikipedia-439cd0b1-2d36-4bca-ba21-08cb0041121e.png)Wikimedia Foundation, Inc.Autoren der Wikimedia-Projekte![](https://storage.ghost.io/c/55/8b/558b835c-0e20-4fc8-9674-7f7d4b8c9a74/content/images/thumbnail/20px-Pictogram_voting_info.svg-3d978da5-0833-4324-ac20-62ff68811abc.png)](https://de.wikipedia.org/wiki/Virtue%5Fsignalling?ref=nataliesdiary.com) [Nicht tugendhaft sein, sondern tugendhaft scheinen: Warum das «virtue signaling» der Menschheit nicht unbedingt hilft, aber zum Menschsein gehörtProminente und Protestierende üben sich fürs Leben gern in der Darstellung ihrer eigenen Tugendhaftigkeit. Das kann ganz schön nerven. Doch hat das Verhalten einen tieferen Grund.![](https://storage.ghost.io/c/55/8b/558b835c-0e20-4fc8-9674-7f7d4b8c9a74/content/images/icon/apple-touch-icon-180x180-d38f63e6-e8e0-4680-a7f9-22e4b0bc57fb.png)Neue Zürcher ZeitungMarkus Schär![](https://storage.ghost.io/c/55/8b/558b835c-0e20-4fc8-9674-7f7d4b8c9a74/content/images/thumbnail/a71dc54b-e028-4764-9959-2c774159546c-b3a1529f-dc3b-4534-a1fa-cb744fa1fec1.jpeg)](https://www.nzz.ch/feuilleton/virtue-signaling-was-wir-von-den-oscars-lernen-koennen-ld.1538284?reduced=true&ref=nataliesdiary.com) [https://vhs-ehrenamtsportal.de/wissen/integration/integration/formen-des-politischen-und-religioesen-extremismus-ein-einblick](https://vhs-ehrenamtsportal.de/wissen/integration/integration/formen-des-politischen-und-religioesen-extremismus-ein-einblick?ref=nataliesdiary.com) [https://de.wikipedia.org/wiki/Tugend#:\~:text=Bürgerliche%20Tugenden%20umfassen%20insbesondere%3A%20Ordentlichkeit,praktische%20Bewältigung%20des%20Alltags%20gerichtet](https://de.wikipedia.org/wiki/Tugend?ref=nataliesdiary.com#:~:text=B%C3%BCrgerliche%20Tugenden%20umfassen%20insbesondere%3A%20Ordentlichkeit,praktische%20Bew%C3%A4ltigung%20des%20Alltags%20gerichtet) ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Nicht alle mögen Diktaturen URL: https://www.nataliesdiary.com/nicht-alle-mogen-diktaturen/ Last updated: 2026-07-11T10:25:52.000Z **Nicht alle marschieren mit, stellen sich öffentlich „gegen Rechts“ und wollen ein Verbot der AfD. Warum nicht? Sind diese Leute zu feige oder sind sie Nazis? Das scheinen die einzigen beiden legitimen Erklärungen zu sein.** Wie immer ist das alles gar nicht so einfach. Weil komplexe Dinge nun mal niemals einfach sind und auch nicht schwarz oder weiss erklärt werden können. Wenn wir uns gerne in „Schwarz-Weiss“ Gewässern und einem eindeutigen „Richtig“ oder „Falsch“ Kontext bewegen wollen, können wir die Demokratie gleich dicht machen. Demokratie lebt von unterschiedlichen Ansichten. Von Links und Rechts und Mitte. Und davon, dass wir das aushalten, selbst wenn wir ganz und gar nicht mit der anderen Meinung einverstanden sind. Wenn wir irgendwas von Links, Rechts und Mitte nicht mehr haben wollen, auf die Strasse gehen und die andere Meinung verbieten wollen, stehen wir dann wirklich noch für die Werte der Demokratie ein? Oder treten wir sie nicht in Wirklichkeit mit Füssen? Mir ist das Moralisten-Gelaber langsam zu blöd. Die Zurschaustellung der Menschen, die sich selbst als gut betrachten und ein Zeichen gegen das setzen wollen, was sie als Überschreitung der Grenze sehen, ist mir derzeit nicht mehr ganz geheuer, die Ziele nicht so edel, wie sie aussehen mögen. Nach den Corona-Demonstrationen in den letzten Jahren und den Wut-Reden der Leute, die mit den Massnahmen nicht einverstanden waren, habe ich ein merkwürdiges Déjà-vu. Ein weiteres Mal stellen Personen sich als neuzeitliche Sophie Scholls und Anne Franks dar. „Jetzt können wir endlich herausfinden, was wir anstelle unserer Urgrosseltern getan hätten“ liest man auf einem der zahlreichen Plakate “gegen Rechts”. ## Sie würden sich im Grab umdrehen Ja wirklich? Wow, ich glaube Sophie Scholl und Anne Frank würden sich im Grab umdrehen, wenn sie den Mist hören würden. Sie haben mit ihrem Leben bezahlt für ihren Mut, sich gegen die populäre Haltung zu positionieren. Und Ihr rennt zu 50’000 oder mehr auf die Strasse oder schreibt Kommentare von Eurem heimischen festungsähnlichen PC aus und glaubt, Ihr wärt Ihnen ähnlich? Das nenne ich Anmassung. Um es mit den Worten meines Lieblingskolumnisten, Harald Martenstein, zu sagen: „In jedem echten Parlament gibt es auch Rechte. Sie heissen mal so mal so. Man kann alles Rechte verbieten, das wäre dann halt Diktatur. Nicht jeder mag Diktaturen. Das sollte man respektieren.“(2) Oder wie Voltaire sagte: „Ich bin zwar anderer Meinung als Sie, aber ich würde mein Leben dafür geben, dass Sie Ihre Meinung frei aussprechen dürfen.“ Passt das mit einem Verbot einer Partei zusammen, die mir nicht in den Kram passt? ## Diktaturen mögen wir nicht so – oder doch? Wie wäre es denn damit, mal die Grundprobleme eines Landes anzugehen, das sich mehr und mehr rechts positioniert? Hat doch sicher eine tiefere Ursache, wenn viele Menschen sich so eindeutig zu einer Partei bekennen, oder? Alexander Gauland, Ehrenvorsitzender der AfD, mahnte seine Partei, > “sie solle auf dem Boden bleiben, sie sei nicht ausschliesslich so toll, eher seien die anderen wahnsinnig schlecht.”(1) Ich finde, das gibt uns möglicherweise ein paar kleine Anhaltspunkte, wo der Hund begraben liegt. Die Idee, mit dem Verbot einer Partei, das Problem zu lösen, das dieses Land nicht erst seit gestern hat, ist an Naivität kaum zu überbieten. Nein, nicht alle mögen Diktaturen. Ein paar schon, aber die findet man leider nicht nur am ganz weit rechtem Rand, sondern auch dort, wo man es eher weniger vermuten würde: In der bürgerlichen Mitte und im linken Flügel. Und diese Leute scheinen sich nicht wirklich bewusst zu sein, dass sie der bekämpfenswerten Feind-Partei damit in Wirklichkeit in die Hände spielen. Ich hoffe, die neuen Pseudo-Sophie Scholls und Anne Franks gewinnen nicht die Oberhand. Das empfinde ich tatsächlich mehr als beunruhigend. Denn ich gebe es zu, ich bin eine von denen, die Diktaturen nicht ganz so gerne mögen. Quellen und Weiterlesen: 1) [Die Zeit: “Die blaue Gefahr”](https://www.zeit.de/2024/04/afd-ostdeutschland-landtagswahlen-regierung?ref=nataliesdiary.com) 2) [Die Zeit: ” Über das Wahljahr und die Frage, was rechts ist”](https://www.zeit.de/zeit-magazin/2024/04/harald-martenstein-wahljahr-afd?ref=nataliesdiary.com) ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Das kleine Glück und die aufgeregte Gesellschaft URL: https://www.nataliesdiary.com/das-kleine-gluck-und-die-aufgeregte-gesellschaft/ Last updated: 2026-07-11T10:26:34.000Z „**Am grössten ist das Glück, wenn es ganz klein ist. Deshalb würde ich, wenn ich mein Leben aufschreiben müsste, nur Kleinigkeiten notieren.“ *(Aus dem Film „Die Herrlichkeit des Lebens“ über Franz Kafka*)\*** Was machen wir eigentlich mit unserer kostbaren Lebenszeit, die in jedem Moment ganz plötzlich vorbei sein könnte? Des Deutschsprachigen Lieblingsbeschäftigung scheinen emotionsgeladene Debatten über mehr oder minder wichtige Themen zu sein, die aber wohl niemals so wichtig wie das Leben selbst sein können. Wenn ich das letzte Jahr Revue passieren lasse, gab es ja von diesen Debatten wieder eine ganze Menge. Wie eigentlich in jedem Jahr davor auch. Themen, die auf jeden Fall gelöst werden, wenn man aufgeregt im Netz und auf der Strasse seinem Anliegen – notfalls auch beleidigend, aber immer mit moralischem Nachdruck Ausdruck verleiht. Von der Frage, ob es für weisse Menschen zulässig ist, eine bestimmte Frisur zu tragen, die von einem anderen Kulturkreis skrupellos abgekupfert wurde, bis zur gerechten Bestrafung für klebstoffbehaftete Teenager auf Autobahnen - und der Empörung über die Frage, ob es menschlich zulässig ist, sie einfach auf einer Rakete von Elon Musk in Richtung Mars zu befestigen: Egal bei welchem Thema, immer scheint die Klärung so wichtig zu sein, als würde es um Leben und Tod gehen. Im Jahr darauf ist der Käse dann wieder überwiegend ge- und vergessen. Es gibt neue lebensbedrohliche Fragen, um die man sich dringend kümmern muss. Wir echauffieren uns in moralischer Überlegenheit gegenüber dem andersdenkenden Mitbürger, den wir jederzeit und zu jedem Preis korrigieren müssen. Denn nur so wie WIR denken, ist zu denken zulässig. Von wegen „Die Gedanken sind frei“, wie es in einem Volkslied heisst. Weder das Denken noch dieses in Worte zu fassen, ist grenzenlos. Ganz klar und ohne legitimen Widersrpuch wurde definiert, was rassistisch, sexistisch, narzisstisch, frauenfeindlich, rechtsextrem, unsinnig, unlogisch, unethisch, unglaubwürdig, unmoralisch, unwahr, idiotisch, unangebracht, unwissenschaftlich, illegal, zu verachten ist, worüber man Witze machen darf und worüber nicht. Von wem eigentlich? Und noch wichtiger: Warum? Früher war das ja Gott, der sowas festgelegt und für die Infragestellung dieser Regeln schon mal die Todesstrafe verhängt hat. Wer spielt eigentlich heute diese Gottesrolle? ## **Die „kleinen“ Dinge** Um nochmals auf das eingangs erwähnte Filmzitat zurückzukommen: Wenn uns diese sinnbefreiten Debatten über Richtig und Falsch nicht wirklich weiterbringen – und das tun sie erfahrungsgemäss äusserst selten: Warum verbringen wir unsere kostbare Lebenszeit nicht mit den „kleinen“ Dingen, dem was uns und andere so richtig zufrieden und glücklich macht? Den Augenblicken, die so banal und doch so wertvoll sind? Wie zum Beispiel mit jeder einzelnen Begegnung mit unserem Partner, unseren Kindern, unseren Lieben? Was wäre, wenn das die letzte Begegnung wäre? Wie sehr geniessen wir den Moment, wenn sie lachen oder wenn sie einfach nur zufrieden und gesund sind? Was ist mit den letzten Sonnenstrahlen, bevor die Sonne untergeht? Dem Glas Wein mit Freunden? Der superguten Pizza beim Italiener? Dem süssen Lächeln eines Fremden im Supermarkt? Dem Kaffee am Morgen? Dem Ferientag, an dem die Zeit keine Rolle spielt? Dem monatlichen Gehaltseingang für meine geleistete Arbeit? Der warmen Wohnung, die mir Schutz bietet, egal wieviele Quadratmeter das Reich umfasst? Wir haben doch eigentlich so viele „kleine“ Dinge, die wir zelebrieren könnten. Dinge, die uns leider oft erst dann als wichtig bewusstwerden, wenn sie plötzlich nicht mehr da sind. Wenn sie die Summe des Lebens ausmachen und das grosse Glück bedeuten, warum sind wir dann so blöd und lassen uns von empörten Mitmenschen und Medien mitreissen, statt jede Minute zu geniessen? ## **Soziale Konflikte und die Belehrung von den „Guten“** Tja, und wenn wir der Ansicht sind, dass es äusserst verantwortungslos wäre, so zu leben, als wäre das eigene Glück wichtiger, als viele gesellschaftliche Probleme, die den Großteil der mehr oder weniger sinnbefreiten Debatten ausmachen, dann habe ich eine vielleicht spektakuläre Ahnung: Würden wir uns alle ein bisschen mehr um die eigenen kleinen Glücksmomente kümmern, statt uns in die – zugegeben oft amüsanten - Angelegenheiten anderer, die wir nicht verstehen, einzumischen, dann würden wir auch einen grossen Anteil zum Glück der anderen beitragen und damit zu einem friedlicheren Zusammenleben. Unwahrscheinlich? Seien wir doch mal ehrlich: Soziale Konflikte werden nie gelöst oder verbessert, wenn wir den anderen darüber belehren, wie falsch er liegt. Er muss ja geradezu mit Rebellion reagieren, wenn er seine Würde nicht verlieren will. Denn er ist genau wie ich, er will Recht behalten. Er will nicht als Vollidiot dastehen. Ein durchaus legitimes Anliegen. ## **Fifty Shades of Grey** Nach dem obigen Filmzitat habe ich beschlossen: Meine Zeit ist meistens zu kostbar für diese gesellschaftlichen Debatten über Frisuren und klebstoffschnüffelnde – pardon, ich meinte natürlich klebstoffbehaftete Teenies. Ich muss nicht zu allem eine Meinung haben. Aber ich kann es natürlich und ich bin leider der Typ Mensch, der sich dazu getrieben fühlt, seinen Senf dazuzugeben. > **Ich finde, all die Themen und die Konflikte auf dieser Welt sind viel zu komplex, als dass wir sie mit einfachen Erklärungen, Massnahmen und Moralkeulen lösen könnten.** Die Zeit mit meinen Lieben, mein innerer Frieden, meine kleinen Glücksmomente sind mir aber zum Glück vermehrt wichtiger als die Energie für die aufgeregte Gesellschaft, die inzwischen meist nur noch schwarz oder weiss, links oder rechts, gut oder schlecht, falsch oder richtig kennt und mit der gesamten Farbpalette, den vielen bunten Zwischentönen und den „Fifty shades of grey“ nicht einverstanden ist. Unterschiedliche Grau- und Farbtöne scheinen seit kurzem vollkommen in die Kategorie „pervers“ zu fallen. Aber auch, wenn schwarz und weiss die neuen Lieblingsfarben im Denkprozess vieler Leute sind: Ich finde, all die Themen und die Konflikte auf dieser Welt sind viel zu komplex, als dass wir sie mit einfachen Erklärungen, Massnahmen und Moralkeulen lösen könnten. Weniger komplex ist dagegen das Glück der kleinen Momente. Ich kann sie wahrnehmen und mich daran erfreuen. Oder ich kann sie leugnen oder für weniger wichtig erachten als die Diskussion über gesellschaftliche Aufreger, die bereits in einem Jahr bedeutend an Gewicht verloren haben. Was von alldem im Moment des Verschwindens dieser Momente – und der Tag wird ohne Zweifel kommen - tatsächlich einen Wert hat, wird meistens leider erst genau dann erkennbar sein. *\*Ich bin kein Kafka-Kenner noch habe ich jemals etwas von ihm gelesen. Das muss ich zu meiner Schande gestehen. Als ich die Vorschau für den Film „Die Herrlichkeit des Lebens“ sah und diese obenstehenden Sätze fielen, war ich allerdings sofort inspiriert, meinen Text zu schreiben. Ob diese Sätze so wirklich von Kafka selbst stammen oder nur vom Autoren des Buches, Michael Kumpfmüller, weiss ich nicht. Vielleicht bekomme ich nach diesem Artikel die richtige Antwort?* ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Gendern oder nicht? - Das ist die Frage! URL: https://www.nataliesdiary.com/gendern-oder-nicht-das-ist-die-frage/ Last updated: 2026-07-11T10:27:01.000Z **Heute stach mir folgender Instagram-Post ins Auge: „Warum regt uns das Gendern so auf?“ Ich überlegte krampfhaft, was sich an dieser Frage für mich merkwürdig anhörte.** **Szenenwechsel. Ich schrieb im Jahr 2023 eine Abschlussarbeit im Rahmen meiner Ausbildung als Bauleiterin. Die vom Dozenten korrigierte Version enthielt den verwunderten Hinweis: „Und wo genderst Du?!“** Tja, ich weiss, es gibt einige, für die das Gendern schon immer ein Blödsinn war. Für mich war das bis zu einem gewissen Zeitpunkt ein neutrales Thema. Ich dachte mir: Wer gendern möchte, soll es tun, wer nicht, der lässt es bleiben. Ich selbst gendere manchmal und manchmal nicht. Wenn ich es tue, dann meist nur beim Schreiben. Gendergerechtes Reden ist für mich sehr anstrengend, weil ich lieber gerne einfach drauf losrede, statt fünfmal nachzudenken, was ich wie sagen soll. Was für mich an diesem eingangs erwähnten Instagram-Post fragwürdig ist: Regt die meisten Deutschsprechenden wirklich das Gendern an sich auf? Mich persönlich stört Gendern eigentlich nicht, solange ein Text noch lesbar ist. Gesprochen hört sich mancher Talk für mich manchmal etwas holprig, ungewohnt und langatmig an, vor allem, wenn jemand perfekt und richtig gendern möchte . Aber ich verbinde damit nicht unbedingt etwas Negatives. Zumindest bis vor Kurzem. Was mich inzwischen stört, ist die direkte oder indirekte Aufforderung an mich als deutschsprechenden Menschen, diese Sprech- und Schreibweise, um jeden Preis in mein tägliches Leben integrieren zu müssen. Der manchmal subtile und manchmal schon zaunpfahlartige Wink, mit der mitschwingenden Bewertung, wer dies nicht tue, sei einfach ein ignorantes Wesen und nehme die Bedürfnisse und Benachteiligungen anderer nicht ernst genug. Die Botschaft dahinter: „Wer ein guter, weiterentwickelter und moderner Mensch ist, der gendert. Wer es nicht tut, lebt in der Steinzeit. Basta!“ > **„Wer ein guter, weiterentwickelter und moderner Mensch ist, der gendert. Basta!“** Tja, und bei so einem übergriffigen Verhalten steige ich dann endgültig aus. Wer mir seine Sicht der Welt krampfhaft aufdrängen will und mir unterstellt, ich wäre ignorant und zurückgeblieben, wenn ich mich dem Gendern nicht beuge - oder mich nicht wenigstens bemühe - der hats halt dann einfach verkackt bei mir. Und bei vielen anderen anscheinend auch. Denn laut diversen Umfragen im deutschsprachigen Raum, ist die deutliche Mehrheit der Menschen nicht so wirklich fürs Gendern zu begeistern. Was mir am meisten auf die Nerven geht, sind die endlosen und emotionsgeladenen Debatten über das Gendern. Manchmal wünsche ich mir so ein hingebungsvolles Engagement, wie es beim Kampf um Worte stattfindet, für Themen, die die Welt wirklich bewegen. Für die, die mir an dieser Stelle gerne Whataboutism an den Kopf werfen möchten: Mein Verweis auf für mich relevantere Probleme hat schlicht und einfach mit der Tatsache zu tun, dass wir alle nur begrenzte Energie und Zeit für unser Leben zur Verfügung haben. Wir müssen entscheiden, wofür wir diese gebrauchen, und dann Prioritäten setzen. Mir ist dieses Thema „Gendern“ ganz einfach nicht so wichtig, wie zum Beispiel das Engagement für misshandelte Tiere. Sorry. > **Ich fühl mich grundsätzlich angesprochen, weil ich gar keinen Zweifel daran habe, angesprochen worden zu sein.** Ich mag es auch nicht, wenn man mir als Frau einreden will, ich müsste mich diskriminiert fühlen und dürfte mich eigentlich auch nicht angesprochen fühlen, wenn jemand an einem öffentlichen Event die Anwesenden lediglich mit „Liebe Gäste“ willkommen heisst, statt mit „liebe Gäste und Gästinnen“ oder mit „liebe Gäst\* – Pause - innen“. Ich fühle mich grundsätzlich angesprochen, weil ich gar keinen Zweifel daran habe, angesprochen worden zu sein. Ich bin ja schliesslich da. So viel Selbstbewusstsein habe ich mir als erwachsene Frau inzwischen schon angeeignet. Mir vorschreiben zu lassen, ich müsste mich wie ein Opfer fühlen, dass nicht für sich selbst reden und in dieser feindlichen Welt nur bestehen kann, wenn man die Sprache gewaltsam ändert, erscheint mir irgendwie grotesk. > **Ich bin ja schliesslich da.** Was mich auch stört - und diese Entwicklung finde ich mehr als traurig: Ich bemerke immer mehr, wie sich vor allem Männer z.B. bei öffentlichen Veranstaltungen verkrampfen, um ja nichts Falsches zu sagen. Manche Rede klingt irrsinnig holprig, weil die Verunsicherung spürbar ist. Im persönlichen Gespräch werde ich manchmal separat angesprochen, damit ich mich unter all den Männern (ich arbeitete vor einiger Zeit noch in der Baubranche, dort sind gefühlt 95% Männer vertreten) auch wirklich inkludiert fühle, was mir schon fast unangenehm ist. Es wird eine Trennung betont und spürbar, die ich vorher selten wahrgenommen habe: Ihr seid die anderen, die Frauen, wir sind die Männer. Und umgekehrt. Sorry, aber wollten wir das wirklich? Also ich nicht. Ich werde gerne von einem anderen Menschen mit Respekt und Menschlichkeit behandelt, was sich vor allem in seinen generellen Handlungen und im Reden mit Freundlichkeit und Wohlwollen ausdrückt. Sowas spürt man. Die gewählten Worte sind mir dabei scheissegal. Was unser Zusammenleben schwierig macht, ja was uns sogar wirklich trennt, ist die Einstellung: „Ich bin richtig, Du bist falsch!“. Wir achten nicht mehr auf Gemeinsamkeiten und begegnen dem anderen nicht auf Augenhöhe, egal was auch immer er denken, fühlen oder tun mag. Wir stellen uns ÜBER den anderen und geben ihm das Gefühl, dass er (oder zumindest seine Meinung) weniger wert ist, weil er nicht das tut und sagt, was wir für richtig erachten. Ich schliesse mich hier nicht aus, denn bei so manch anderem Thema begehe ich diesen Fehler auch. Tja, und dann ist es wahrlich kein Wunder, wenn man Widerstand hervorruft, statt Zustimmung, wie das beim Gendern ziemlich deutlich der Fall ist. Meine Neutralität bei diesem Thema habe ich dank einiger Gender-Moralapostel inzwischen irgendwie verloren. Aber mein Widerstand hält sich in Grenzen. Wenn mir ein Text zu blöd zum Lesen ist vor lauter Sternchen oder Doppelpunkten, dann lass ich es. Hat der Autor eben Pech gehabt. Wer gendern will, soll es tun – tu ich ja auch manchmal nach Lust und Laune. Wer es nicht tun will, der soll es lassen. Da Engagement und Emotionen bei diesem Thema bei mir nicht ausreichend vorhanden sind, nehme ich das Ganze nicht allzu ernst. Für einen Text wie diesen, reicht es gerade noch. Leben und leben lassen. Gendern und das Gendern lassen. Who cares!? ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Humorlos in den Untergang URL: https://www.nataliesdiary.com/humorlos-in-den-untergang/ Last updated: 2026-07-11T10:27:31.000Z Wenn Du Dir selbst zum Hals raushängst, dann weisst Du, jetzt ist es Zeit für einen Kurswechsel. Jaja, ich weiss schon: Das Leben spielt einem oft übel mit, das Schicksal schlägt wieder erbarmungslos zu, die Welt ist ungerecht…. oder wie auch immer man Gegebenheiten beschreiben mag, die einem widerfahren und es scheint, als hätte man keine Kontrolle mehr. Wäre hilflos ausgeliefert. Es gibt Dinge, die können äusserst übel, schmerzhaft und sogar traumatisch sein. Ich weiss. Ich weiss es. Nur zu gut. Das ändert nichts daran, dass manchmal einfach das Fass gefüllt mit Selbstmitleid und Gejammere überläuft. Ich habe vor kurzem wieder einmal so einen Punkt erreicht. Mir war alles zu schwer. Ich habe nur noch wahrgenommen, dass vieles in meinem Leben ziemlich daneben läuft. Neben dem Tod von Mutter und Katze, auch die Finanzen, meine Figur, die Falten im Gesicht, zwischenmenschliche Reibereien, unerfüllte und ungeliebte Pflichten, Ungeklärtes und Unbeeinflussbares und und und …. „Ich armer bemitleidenswerter Mensch. Ich komme einfach nicht aus der Scheisse raus.“ Hilflos. Ausgeliefert. Wertlos. „Werft mich in einen Fluss und ertränkt mich, ich habe es nicht verdient zu leben!“ Oje, wie tief kann man sinken!? Das Dumme ist, wenn man sich in so eine Spirale hineinredet (ja, unsere Gedanken über uns selbst haben durchaus grosse Macht und sind mitunter grausamer als die Gedanken anderer Leute über uns), dann ist es schwer auch nur einen lebendig grünen Grashalm unter einer scheinbar kilometerweit vertrockneten Wiese zu finden. Vielleicht gibt es sogar wesentlich mehr grüne Grashalme, als wir uns vorstellen können. Aber wir sehen sie nicht, weil wir uns ausschliesslich auf die vertrockneten Stängel konzentrieren. Wenn ich so tief sinke, was durchaus immer wiedermal vorkommt in meinem Leben, dann gibt es einen Punkt, an dem ich mir tatsächlich selbst auf die Nerven gehe. Weil mir im Grunde meines Herzens bewusst ist, dass ich in dem Moment einfach gnadenlos undankbar bin. Undankbar und blind für all das Schöne, das es eben auch noch gibt in meinem Leben. > **"Wer nicht geniesst, ist ungeniessbar" (Song von Konstantin Wecker)** Und wenn ich dann noch realistisch betrachte, wie gut es mir im Vergleich zu den meisten Menschen auf dieser Erde geht, einfach nur weil ich in Deutschland und zu dieser Zeit geboren wurde, weil ich in einem wunderbaren Land – der Schweiz – lebe, mit einem tollen Mann an meiner Seite, ein paar Tieren, die das Leben schöner machen, mir genug zu essen und sauberes Wasser zur Verfügung stehen, ich bis jetzt von Krieg und Diktatur in meinem Land verschont geblieben bin…… …dann schäme ich mich schon ein wenig für mein Gejammer. Nachdem ich mir also nun wieder mal eine Weile die Tragödien meines Lebens vorgesungen habe, stellte ich fest, dass mir ein so humorloses Leben irgendwie keine Freude macht. Tragödie hin, Tragödie her….. Das Lachen darüber oder TROTZDEM bringt mir doch erst die Erleichterung zurück, nach der ich mich so sehr sehne! Das Lachen - grundlos und auch über mich selbst. Ich betrachte mich von aussen und denke mir: «So Natalie, jetzt reichts wirklich! Mit der miesgelaunten Fratze werden die Falten im Gesicht leider immer tiefer. Das ist doch auch nicht schön!» Eine interessante Beobachtung habe ich, übrigens, an mir selbst gemacht: Je humorloser und ungeniessbarer ich bin (für mich selbst und für meine Umgebung), desto verurteilender, perfektionistischer und extremistischer werde ich in meiner Einstellung und meinem Handeln. Ja, ich würde sagen, wo der Humor fehlt, ist der Extremismus nicht weit. Und das sehe ich nicht nur im Innen (also bei mir), sondern auch im Aussen. Hirnloser Extremismus, egal ob politisch, religiös, psychologisch, sprachlich, weltanschaulich, gesundheitlich, beim Gendern oder whatever, verträgt Humor meist ganz ganz schlecht. Und zwar deshalb, weil zu einem absoluten Wahrheitsanspruch meist noch ein paar kleine oder grössere Auswüchse von übersteigertem Narzissmus hinzukommen. Ein flotter Spruch – vielleicht auch unter der Gürtellinie – kommt einer «Hoheitsbeleidung» gleich. Und das geht ja mal gar nicht! Statt darüber zu lachen und ebenfalls einen flotten Spruch zurückzuschleudern, zieht man sich beleidigt zurück oder schlägt wütend um sich. Dazu empfehle ich nebenbei ein Video: [«Lisa Eckhart – Ist das lustig? Sternstunde Philosophie | SRF Kultur»](https://youtu.be/Sellnm7PbdA?ref=nataliesdiary.com) Und auch noch eine ganz blöde, paradoxe Sache, die mich furchtbar stört: Je perfektionistischer ich bin, desto unvollkommener ist im Grunde das, was ich erschaffen will. Denn Perfektionismus ist einfach sterbenslangweilig. Perfektionismus bedeutet, dass das, was jetzt gerade ist, nicht gut genug ist und permanent verbessert werden muss. Statt sich hinzusetzen und das Leben zu geniessen, muss es optimiert werden bis zum Erbrechen. Was einem dabei alles entgeht! Ja, das Leben spielt einem manchmal übel mit, das Schicksal schlägt wieder erbarmungslos zu, die Welt ist ungerecht….Es gäbe – nein, es GIBT - so viele Gründe dafür, dass das Leben einfach zum Kotzen ist und einem gar nichts anderes übrigbleibt, als sich zu beschweren. Es gäbe – und es GIBT - aber auch so viele Gründe dafür, dass das Leben auch wunderschön ist und das Schicksal es eigentlich ganz gut mir meint. Eine Frage der Perspektive? Vielleicht. Und manchmal auch einfach nur eine Frage der Entscheidung für das eine oder das andere. ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Ich liebe Verbote! URL: https://www.nataliesdiary.com/verbote/ Last updated: 2026-07-11T10:28:00.000Z Verbote 0:00 /351.422396 1× **Eine Petition in Deutschland im Jahr 2023 mit über 800.000 Unterschriften wollte das Verbot der rechten Partei AfD erwirken. Zahlreiche Politiker wie z.B. die SPD-Chefin Saskia Esken stellten sich hinter diese Forderung. Damals, als ich den folgenden Artikel schrieb, dachte ich: Was für eine grandiose Idee! Die beste, die ich seit Regierungsbeginn der deutschen Ampel gehört habe, denn…** …Verbote haben schon immer wahnsinnig viel gebracht. Besonders in Diktaturen wird uns das beispielhaft vorgelebt und ich finde, da könnten wir uns einiges abschauen. Ja, ein Verbot ist definitiv ein legitimes Mittel, wenn man sich nicht mehr anders zu helfen weiss und das dahinterstehende Grundproblem man selbst ist. Wer will schon gerne aus seinem gemütlichen Bettchen aufstehen und eine Selbstveränderung initiieren? Und selbst wenn man wollen würde – wer setzt das dann um? Dafür reichen die bescheidenen Diäten eines Politikers einfach nicht aus. Ich liebe Verbote. Verbote machen das Leben einfach leichter – zumindest das Leben derer, die hinter dem Verbot stehen. Im Fall der AfD wären das ja wohl auch die «Guten» des Landes! Ein Verbot schafft klare Linien, unnötige Diskussionen werden im Keim erstickt und das Ablenkungsmanöver bewirkt, dass man sich nicht gleich um die wirklichen Belange eines Landes kümmern muss. Man weiss dann wieder, was man für eine Meinung haben darf und was so ganz grundsätzlich richtig und falsch ist. Abwegiges Gedankengut, wie die Frage, ob es so etwas wie Graubereiche gibt oder man bestimmte Aussagen in einer Demokratie einfach aushalten muss, sind dann vom Tisch. Herrlich so ein Verbot! > ***Man weiss dann wieder, wer zu den Guten und wer zu den Schlechten gehört*** Man weiss dann wieder, wer zu den Guten und wer zu den Schlechten gehört. Das hat sich doch so arg vermischt in den letzten Jahren! Da frägt man sich zweitweise schon, wer eine Existenzberechtigung hat und wer ein Untermensch ist und am besten ausgelöscht gehört. Oder zumindest weggesperrt, wir wollen ja nicht barbarisch sein. Zu viele Grautöne und zu viele bunte Farben sind hinderlich für ein harmonisches Zusammenleben. Schwarz und weiss sind meines Erachtens völlig ausreichend. ## **Verantwortung übernehmen? Unnötig! Verbote regeln das.** Verantwortung zu tragen, ist einfach eine unnötige Last, derer man sich möglichst bald im Leben entledigen sollte, finde ich. Fremdbestimmung mit Verboten und Geboten haben dabei schon immer geholfen, ganz besonders dann, wenn die Unsicherheit gross und das Kontrollbedürfnis drängend waren. Die Religionen haben uns das jahrhundertelang vorgemacht und dieses Erfolgskonzept sollte endlich wieder mehr Beachtung finden. Halleluja! Das löst wahnsinnig viele Probleme auf einmal. Probleme, an die man dann nicht mehr die sowieso recht knapp bemessenen grauen Gehirnzellen verschwenden muss. Das Gute daran ist auch, dass man sich unerhörten Bullshit nicht mehr anhören muss, weil man gleich auf ein Gesetz verweisen kann, das die Konsequenzen für diesen Bullshit ganz klar im Voraus definiert. Der erhobene Zeigefinger hat dann wieder mehr Macht als jetzt, wo er lediglich als ein schwaches Symbol für Missbilligung dient. Am besten bitte gleich die Freiheitsstrafe als Folge und Norm definieren und aussprechen. Hinter Gitter mit den widerwärtigen Unruhestiftern, die das gemütliche Nest und die Ruhe etablierter Parteien und Politiker stören! Jenen, die in den letzten 20 Jahren den Willen des Volkes und Nutzen des Landes zu ihren persönlichen Gunsten und Vorteilen mit Füssen getreten haben. ## **Die Frauen von Stepford** Harmonie, keine Widerworte, keine Kritik, einfach alle im Gleichklang, ein Herz und eine Seele, in Einigkeit verbunden, im Gleichschritt marschierend. In Ewigkeit. Amen. Zumindest die per Dekret definierten Guten haben das Privileg dieser wunderbaren Harmonie. Und die Schlechten müssen wir dann nicht mehr ertragen. Was für ein Paradies. Die «Frauen von Stepford» wären begeistert, dass das in einem so grossen Land wie Deutschland überhaupt umsetzbar ist. Das Gute für bestehende Parteien, die sich gerne am Recht und Geld des Bürgers vergreifen und am liebsten die Bedürfnisse des Volkes ignorieren, ist, dass sie sich keine Gedanken mehr über Änderungen ihres Kurses machen müssen, da sie die ängstliche Masse, die komplett durch ihren «Fetisch 1933»\* hypnotisiert ist, hinter sich haben. Endlich können sie sich wieder auf die wesentlich wichtigeren Dinge des Landes konzentrieren: Einen angemessenen Friseur-Besuch und regierungsgerechtes Styling zum Beispiel. Ein weiterer wichtiger Punkt auf der Agenda: Steuern auf KI fordern. By the way, KI wäre für den Inhalt der Aussagen so mancher Politikerinnen und diverser Partei-Programme ein echter Fortschritt. Ja, so ein Verbot ist einfach eine gute Sache! Es sollte doch wesentlich mehr Verbote geben als bisher. Eine weitere Gruppe von über 200.000 Menschen hat sich dies nun ebenfalls zu Herzen genommen. Sie wollen die Partei der Grünen verbieten. Vielleicht war das Styling der Aussenministerin für 130.000 EUR aus der Staatskasse doch ein klein wenig übertrieben. Aber nur ein klein wenig. Ich begrüsse diese Entwicklungen sehr und überlege mir schon, aus der Schweiz mit ihrer unnötigen direkten Demokratie wieder zurück ins Land der Ordnung zu gehen. Man muss viel deutlicher regeln, was okay ist und was nicht. Die herrschende Minderheit muss dem Proletariat doch deutlich machen, wie dumm es ist. «Nieder mit der Demokratie! Es lebe die Diktatur! Willst Du nicht mein Meinungsbruder sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein.» Oh nein, ich muss mich zügeln. Ich gehöre doch zu den Guten! Also nochmal: «Willst Du nicht mein Meinungsbruder sein, dann lass ich Dich verbieten.» Reimt sich zwar jetzt nicht mehr, aber dafür bin ich ein höflicher, nachsichtiger und guter Mensch. Und da bin ich so verdammt stolz drauf! *\*Quelle des Begriffs; NZZ, 19.1.2024:* [*«Langsam wird es ernst: In Deutschland ist der Wurm drin» von Eric Guyer*](https://www.nzz.ch/meinung/bauern-proteste-und-ampel-aerger-in-deutschland-ist-der-wurm-drin-ld.1774931?ref=nataliesdiary.com) ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Die heilige Kuh namens Religionsfreiheit URL: https://www.nataliesdiary.com/religionsfreiheit/ Last updated: 2026-07-11T10:28:27.000Z "***Religionsfreiheit heisst nicht nur, ich bin frei, eine Religion auszuüben. Sondern es heisst auch, dass ich das Recht habe, mich von einer Religion zu befreien. Das verstehen viele nicht" (Nariman Al Moulhid)*** Religiöse Gruppen und einzelne sehr religiöse Menschen pochen ja recht gerne auf ihrem Recht der freien Religionsausübung. Schnell ist bei vielen die Grenze erreicht, an der sie sich diskriminiert fühlen und auf tatsächliche oder vermeintliche Intoleranz stossen. Wie sieht es denn umgekehrt aus? Wieviel Probleme bereiten Religionen und kleinere religiöse Gruppen Menschen, die ihre Werte, Moral, Regeln und Einstellungen nicht teilen? Wie ist es denn da um Freiheit bestellt, die sie anderen zugestehen sollten? Religionsfreiheit ist keine Einbahnstrasse. Sorry, aber ich kann das Wort «Religionsfreiheit» kaum noch ertragen. Unter dem Deckmantel der heiligen Kuh «Religion» dürfen Homosexuelle und andere queere Menschen diskriminiert, menschenunwürdige Praktiken verübt und Kinder durch verstörende Geschichten gefügig gemacht werden. Es wird Gehorsam gefordert, es werden Regeln körperlich oder seelisch eingeprügelt und es wird mit Liebesentzug und anderem seelischen Missbrauch ganz legal gearbeitet. Dinge, die jeden Psychologen die Hände über den Kopf zusammenschlagen lassen. Aber hey, wir wollen ja nicht intolerant sein und Religionen diskriminieren! Und darum schauen wir lieber weg, damit sich jegliche religiöse Gruppe nicht in ihrer Glaubensausübung gestört fühlt! Ganz egal, WAS da so passiert, nicht wahr? ## **Was Religionsfreiheit auch heisst** Religionsfreiheit heißt auch, sich von Religion BEFREIEN zu dürfen! Ohne Strafe und harte Konsequenzen. Und davon sind wir sogar hier in Europa in manchen Teilen unserer Gesellschaft noch meilenweit entfernt. Die Gesetzeslage sieht düster aus! Der Schutz von Kindern, die in extremen, fundamentalistischen Gruppen aufwachsen müssen, ist NICHT gegeben. Aussteiger werden geächtet oder gestalkt, aus Familien verstossen, erpresst, körperlich bedroht und manchmal sogar ermordet. Einzelfälle? Erschreckenderweise leider nicht. Schön, dass jeder seine Religion, seinen Glauben leben darf. Aber ein Zuviel der Toleranz gegenüber den menschenverachtenden Regeln und Gepflogenheiten in vielen fundamentalistischen, manipulativen Gruppen – egal ob christlich, jüdisch, muslimisch - ist meiner Meinung nach einfach nicht angebracht. Und verfrachtet uns gleichzeitig gesellschaftlich zurück ins Mittelalter! Natürlich wird ein Mord oder Gewalttätigkeit von den Behörden verfolgt werden. Aber all die Grauzonen zwischen legalem und illegalem Verhalten und all das, was dazu führte, damit so etwas überhaupt passieren kann – religiöser Fanatismus – wird einfach hingenommen, unter dem grossen Zauberwort «Religionsfreiheit». ## **Es wird darüber gesprochen: Christliche Fundamentalisten** Ja, es ist ein heikles Thema. Positiv ist jedoch, dass in den Medien immer mehr christliche Gemeinschaften in unserer Kultur blossgestellt werden, die sich mit Berufung auf die Bibel so menschenverachtend und missbräuchlich verhalten. Wie die Zeugen Jehovas, die Ex-Mitglieder als «Abtrünnige» und «geistig krank» betiteln und den Kontakt zu ihnen vollständig abbrechen, weil sie wie bei einer buchstäblichen Krankheit, die Gruppe infizieren würden. Oder die OCG (Organische Christus-Generation), bei der körperliche Gewalt nichts Ungewöhnliches darstellt und biblische Lehren mit gefährlichen Verschwörungstheorien vermixt werden. Auch diverse Freikirchen werben zwar gerne mit dem Wort «frei» und erwecken den Anschein, weltoffen zu sein. Gleichzeitig werden aber die Rechte von Homosexuellen und Frauen in der Gemeinde massiv eingeschränkt.\* Und ja, auch in den grossen Landeskirchen gab es und gibt es manche Untergruppe, die einer Sekte in nichts nachsteht. Die ARD-Dokumentation «Geknechtet unterm Kreuz – Leben in einer katholischen Sekte», beschreibt z.B. die «Integrierte Gemeinde», die vor allem in den 1970er Jahren einen grossen Zulauf erlebte und auf radikale Weise das Christentum leben und die katholische Kirche erneuern wollte. Diese Gruppe wurde erst 2020 aufgelöst. ([Link](https://programm.ard.de/TV/tagesschau24/Startseite/?sendung=287214630678&fbclid=IwAR3uTwE6gfgVSK3KrreCaYVJuQWhVRoMFI8E0t8DBtGM1W-5KMK-3T4yIU0&ref=nataliesdiary.com)) Vor einigen Monaten habe ich ein Interview mit einem ehemaligen Pastor geführt, der in eine Gemeinschaft hineingeboren wurde, die unter einer Dachorganisation der evangelischen, landeskirchlichen Gemeinschaftsbewegung in Deutschland, in Österreich und in den Niederlanden läuft. In dieser Gemeinschaft wurde auf teils sehr fundamentalistische Art und Weise der Glaube an Christus verteidigt. Die Bibel wurde wortwörtlich genommen und das Verständnis, die Auslegung und das Ausleben dieser war DIE Wahrheit. Sogar eine buchstäbliche Hölle und die Angst davor waren bereits als Kind Bestandteil seines Lebens ([Link](https://youtu.be/B7tc4dgmE44?ref=nataliesdiary.com)) ## **Jüdische und muslimische Fundamentalisten** Aber es ist auch ein Thema, an das sich viele nicht rantrauen, wenn es um die gleichen abartigen Gepflogenheiten in fundamentalistischen Richtungen des Islam oder Judentums geht. Mir scheint auch, dass manche Sektenberatungen sich nicht gerne öffentlich über solche extremistischen Gruppierungen dieser zwei Weltreligionen äussern und dabei klar benennen, dass viele der Kriterien, die eine Gruppe als gefährlich und hochmanipulativ, ja destruktiv für eine Gesellschaft, kennzeichnen, durchaus auch hier zutreffen. Das ist leider fatal für deren Opfer, die - wenn die Sache nicht klar benannt wird – auch kaum Gehör für ihre Geschichte finden. Erst wenn eine Sache einen Namen bekommt und in der Gesellschaft enttabuisiert wird, nimmt sie Einzug in das Bewusstsein von Menschen, wird ernst genommen. Ohne klaren Namen, ohne Bezeichnung und Beschreibung der missbräuchlichen Situation, existiert diese auch nicht und es kann sich folglich nichts verändern. Das Leben in und der Ausstieg aus streng orthodoxen jüdischen Gemeinden kann zum Beispiel ganz genauso grässlich sein, wie bei vielen Gruppen, die man in der Gesellschaft als Sekte deklarieren würde. Vor kurzem entdeckte ich eine neue, sehr bewegende Reportage des SRF, bei der ein Aussteiger aus einer solchen jüdischen Gemeinde erzählt, was dieser Schritt für ihn bedeutete: [«Jude ohne Gott» ](https://youtu.be/WzKrwZRm408?ref=nataliesdiary.com) Einen wirklich sehr schockierenden Bericht gibt es vom SRF auch über muslimische Aussteiger:[ «Wenn Muslime nicht mehr an Allah glauben»](https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/wochenende-gesellschaft/vom-glauben-abfallen-drohungen-und-folter-wenn-muslime-nicht-mehr-an-allah-glauben?ref=nataliesdiary.com) Die Aufzählung von missbrauchenden, manipulierenden religiösen Gemeinschaften ist natürlich nicht vollständig. Religiöser Extremismus und geistlicher/spiritueller Missbrauch können wohl unter der Flagge jeglicher Religion der Menschheit gefunden werden. Und nicht nur das, die Dynamiken lassen sich in sämtlichen Bereichen menschlicher Gesellschaften, auch den nichtreligiösen, beobachten: In Familien, in der Naturheilkunde, in der Psychotherapie, in der Arbeitswelt, in der Esoterik, in der Politik etc. ## **Wann sich etwas ändert** Es wird immer Menschen geben, die die ersten sind, wenn sie einer hässlichen Geschichte die Anonymität nehmen. Menschen, die in diesem Fall den Deckmantel der «Religionsfreiheit» wegziehen und an die Öffentlichkeit bringen, was im Verborgenen passiert. Dann werden sie zwar oft erst belächelt oder als Spinner, als Dramaqueens, als Lügner, als Einzelfälle abgetan. Aber es gibt ein beruhigendes Phänomen in menschlichen Gesellschaften: Wenn einer den ersten Schritt tut und dabei eine Grenze überschreitet, ein Tabu, dann folgt ihm ein weiterer Mensch, der nun ebenfalls den Mut aufbringt, diese Grenze zu übertreten. Und noch einer. Und noch einer. Und plötzlich gibt es eine Menge von Menschen, denen endlich Gehör geschenkt wird, weil sie keiner mehr ÜBERhört. Und damit ist das Fundament gelegt, dass sich etwas gravierend verändern kann: Eine Veränderung zum Schutz von Menschen, die Religionsfreiheit etwas anders verstehen, als dies manch fundamentalistisch gläubiger Mensch tut, der gerne auf seinem Recht auf diese Freiheit pocht. Oder als so manche der religiösen Sondergemeinschaften, die schnell mal klagen, wenn ihnen dieses Recht scheinbar beschnitten wird. Ein Aspekt von Religionsfreiheit, der ebenfalls als grundlegendes Recht in unserer Gesellschaft angesehen werden sollte: Eine Freiheit VON Religion. Ohne Konsequenzen. Ohne Strafe. Ohne Ächtung. Ohne Angst. Ohne Verluste. ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Was wäre, wenn wir Krieg hätten? URL: https://www.nataliesdiary.com/was-ware-wenn-wir-krieg-hatten/ Last updated: 2026-07-11T10:28:48.000Z **Immer wieder in den letzten 2 Jahren seit Pandemiebeginn habe ich Aussagen vernommen, wie „Was macht das mit unseren Kindern, wenn sie nicht ganz normal mit anderen Kindern spielen dürfen?“ „Die psychischen Auswirkungen von Masken und Abstand“, „2 Jahre unseres Lebens haben wir einfach verloren!“ „Freiheit ist mein höchstes Gut, die lasse ich mir von niemandem nehmen!“** Ich anerkenne, dass das etwas mit uns gemacht hat, was wir an Einschränkungen erlebten. Für die einen war es weniger einschneidend, für andere mehr. Trotzdem waren meine automatischen, ersten Gedanken als Reaktion auf solche Aussagen in etwa so: „Was würde es wohl mit uns machen, wenn wir statt einer Pandemie einen Krieg hätten? Welche Auswirkungen hätte es auf unsere Kinder, wenn sie nicht nur eine Zeitlang nicht mit anderen Kindern spielen könnten, sondern bei täglich stattfindendem Bombenalarm innerhalb von Minuten im Keller oder einem Bunker verschwinden müssten? Was wäre, wenn wir nicht einfach „nur“ unsere Arbeit oder unser hart verdientes, erspartes Geld verloren hätten, sondern gar keinen Zugriff mehr auf Geld hätten, weil die Bankautomaten nicht mehr funktionierten? Was wäre, wenn wir nicht nur 2 Jahre unseres Lebens verloren hätten, sondern das Leben selbst oder das unserer liebsten Angehörigen?“ ## **Der zweite Weltkrieg und unsere Grosseltern** Meine Grosseltern haben den zweiten Weltkrieg in Deutschland hautnah miterlebt. Mein Grossvater (mütterlicherseits) verlor als 17jähriger einen Arm im Krieg und lief Zeit seines Lebens mit einer Prothese herum. Die Kriegserlebnisse machten aus ihm einen psychisch gestörten Narzissten, unter dem auch andere jahrelang litten. Seine Frau, meine Grossmutter, erzählte uns immer wieder von den Sirenen und wie sie sich dann mit ihren Geschwistern und ihrer Mutter im Keller verstecken musste. Der andere Grossvater (väterlicherseits) lebte mit Granatsplittern aus dem Krieg in seinen beiden Waden. Diese konnte man anscheinend nicht entfernen und so waren sie für ihn bis zu seinem Tod ein „Andenken“ an diese Erlebnisse. Dessen Frau, meine Lieblingsoma, flüchtete am Ende des zweiten Weltkriegs als junge Frau und allein aus Rumänien nach Deutschland. Diese Bilder tauchten in den letzten 2 Jahren sehr oft in meinen Gedanken auf. Immer wenn ich Leute sich über diverse Massnahmen in der Pandemie und die Folgen für unser Leben beschweren hörte, kam die Frage in mir hoch: „Was wäre, wenn das Stück Stoff im Gesicht das geringste aller Probleme wäre? Was wäre, wenn wir einen Krieg hätten? Was genau würde DAS wohl mit der Psyche eines jeden von uns machen?“ ## **Der Blick über den Tellerrand** Und jetzt gibt es Krieg. Nicht einmal 2000 km entfernt von uns. Ich sehe Menschen, die Angst haben, unendlich lange Autostaus mit Flüchtenden. Eltern, die ihre kleinen Kinder und andere, die mit ihren Haustieren im Arm die Grenzen überqueren. Diese Bilder bewegen mich im Moment sehr stark. Aber nicht nur diese und nicht nur jetzt. Wir haben, wenn wir hinschauen möchten, viele Brandherde auf dieser Welt: Afghanistan und das grausame Taliban-Regime. Jemen und sein seit Jahren herrschender blutiger Bürgerkrieg. Syrien, wo immernoch eine katastrophale humanitäre Lage herrscht. Diverse Bürgerkriege in afrikanischen Ländern, die seit Jahren andauern. „[Allein im Südsudan haben seit 2013 laut UNICEF 17.000 Kindersoldaten gekämpft.»](https://www.bmvg.de/de/themen/dossiers/engagement-in-afrika/herausforderungen/instabilitaet/neue-kriege?ref=nataliesdiary.com) Was das wohl mit diesen Kinderseelen macht? Ich mache mir sehr viele Gedanken über das, was in den letzten 2 Jahren im Rahmen der Pandemie in unserer Gesellschaft passierte. Aber viel mehr noch, was Menschen jetzt gerade in der Ukraine erleben und all die anderen, die seit Jahren nichts anderes als Krieg und Angst um ihr Leben und um ihre Kinder und Angehörigen kennen. Ja, einerseits beunruhigt mich das alles auf eine gewisse Weise, weil mir ziemlich bewusst ist, dass die Pandemie, so einschneidend sie für manche gewesen war oder noch ist, vielleicht auch eines Tages UNSER lächerlichstes Problem sein könnte. ## **Das grösste Problem** Aber es macht noch etwas mit mir: Es macht mich unendlich traurig, zu sehen, wie unsere Prioritäten im Leben hier, in relativ stabilen Ländern und Regionen, liegen. Wie dekadent, blind und egoistisch wir oft durchs Leben ziehen, ohne den Blick über den Tellerrand zu wagen. Während andere Menschen auf diesem Planeten um ihr Leben fürchten, kümmern wir uns in unseren Breitengraden in erster Linie darum, dass diese Umstände - seien es die Einschränkungen während der Pandemie, seien es kriegerische Auseinandersetzungen in anderen Ländern, seien es die Schicksale von Millionen Menschen, die auf der Flucht sind und kein Zuhause mehr haben, sei es der Klimawandel oder whatever - unsere bisherige Lebensweise in keinster Weise beeinträchtigen wird. Dass wir unsere Leben doch bitteschön wie vor Corona weiterführen können. Und das bitte möglichst bald. Dass wir unser Leben in absoluter Freiheit und Selbstverwirklichung führen können und zur Beruhigung unseres Gewissen vielleicht einfach mal eine kleinere oder grössere Summe spenden. Aber ansonsten uns mit den Problemen dieser Welt nicht weiter befassen, weil sie unser „Mindset“ für den Erfolg, die Treppe nach oben oder den Seelenfrieden hinderlich sein könnten. Was wäre, wenn wir nicht mehr so viel Zeit hätten, wie wir glauben? Was wäre, wenn die Beibehaltung und Verteidigung unseres Wohlstandes, unserer Freiheit, unseres Erfolgs, unserer Selbstverwirklichung einfach nur lächerlich sind im Vergleich zum dem, was kommen könnte? Was wenn wir heute unseren Liebsten zum letzten Mal ins Gesicht sehen würden, ohne es zu wissen? Welche Werte sind wohl noch wichtig, wenn alles um uns herum zusammenbricht, wenn kein Stein in unserem Leben mehr auf dem anderen bleibt? Für was würden wir dann wirklich kämpfen? Genau vor dieser Situation stehen jetzt in diesem Moment sehr sehr viele Menschen auf unserem Planeten. Ist uns das in unserer kleinen heilen Welt bewusst? Was wäre, wenn wir Krieg hätten und wir direkt, in unserem Land, davon betroffen wären? Was würden wir uns dann wünschen, hätten wir gemacht, gesagt, gezeigt, als es noch möglich war? ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: ### Schatten der Vergangenheit: Mein Abend im SWR Nachtcafé URL: https://www.nataliesdiary.com/mein-abend-im-swr-nachtcafe/ Last updated: 2026-07-11T10:29:22.000Z SWR Nachtcafe 0:00 /547.567729 1× *Hinweis: Der ursprüngliche Artikel von Januar 2022 konnte leider nicht vollständig aus meinem alten Blog gerettet werden. Erhalten geblieben ist lediglich die dazugehörige Audiodatei. Deshalb findest Du hier eine überarbeitete Rekonstruktion der damaligen Gedanken. Wer den vollständigen Originaltext hören möchte, kann sich die Audiodatei anhören.* Es gibt Menschen, die blühen auf, sobald ein Scheinwerfer auf sie gerichtet ist. Menschen, die ihre Energie aus der Aufmerksamkeit ziehen und vor Publikum erst richtig in Fahrt kommen. Ich gehöre nicht dazu. Zu tief sitzen die alten Glaubenssätze, die sich bis heute ungefragt zu Wort melden: *"Was denken die Leute über dich?"* *"Mach bloss keinen Fehler."* *"Blamiere dich nicht."* *"Sag nichts, was du später bereust."* Als ich die Anfrage vom SWR Nachtcafé erhielt, konnte ich vor Nervosität kaum noch schlafen. Mein Herz schien tagelang auf Dauersprint zu sein. Dabei handelte es sich nicht um irgendeine Fernsehsendung, sondern um eine Talkrunde, die ich seit Jahren immer wieder gerne anschaue. Nicht jede Folge, aber viele. Und plötzlich sollte ich selbst dort sitzen und über meine Geschichte sprechen. Irgendwie fühlte sich das vollkommen surreal an. Einerseits war ich stolz und dankbar, nach einem Vorgespräch eingeladen worden zu sein. Andererseits sass mein innerer Kritiker auf der Rückbank und schrie ununterbrochen nach vorne: *"Verkack es nicht!"* Ein sehr anstrengender Beifahrer. Was mich bis heute wundert: Warum beginnt Lampenfieber eigentlich eine Woche vor dem Ereignis? Eine halbe Stunde vorher würde doch völlig reichen. Was mir letztlich geholfen hat, war ein anderer Gedanke. Vielleicht geht es an diesem Abend gar nicht um mich. Vielleicht sitzen irgendwo Menschen vor dem Fernseher, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Menschen, die nach einem Sektenausstieg ihre Familie verloren haben. Menschen, die seit Jahren mit Kontaktabbrüchen, Schuldgefühlen, Ängsten oder dem Gefühl kämpfen, nirgendwo mehr richtig dazuzugehören. Die Vergangenheit verschwindet nicht einfach, nur weil man einen Schlussstrich zieht. Oft wirft sie noch lange Schatten auf Beziehungen, Selbstwertgefühl und das Vertrauen ins Leben. Wenn meine Geschichte auch nur einem einzigen Menschen das Gefühl geben konnte, nicht allein zu sein, dann war die Nervosität ihren Preis wert. Dieser Gedanke hat die Angst nicht verschwinden lassen. Aber er hat sie auf eine Grösse geschrumpft, mit der ich leben konnte. ## Links: [Die langen Schatten der VergangenheitOb eine alte Affäre, ein unverarbeitetes Trauma oder eine eigentlich längst verheilte Erkrankung – die Vergangenheit lässt sich oft nicht einfach abschütteln. Stattdessen wirft sie einen langen Schatten und bestimmt unser Handeln bis in die Gegenwart.![](https://storage.ghost.io/c/55/8b/558b835c-0e20-4fc8-9674-7f7d4b8c9a74/content/images/icon/icon-ce135d71-e20f-4bbb-a268-b0d246b1e050.svg)SWRAutor/in SWR![](https://storage.ghost.io/c/55/8b/558b835c-0e20-4fc8-9674-7f7d4b8c9a74/content/images/thumbnail/1722525809629-2Cnc274-wilhelm-schmid-102-_v-16x9@2dL_-6c42aff4e68b43c7868c3240d3ebfa29867457da-04c31315-5940-4446-b650-dba29f99439d.jpg)](https://www.swr.de/video/sendungen-a-z/nachtcafe/nc274-der-lange-schatten-der-vergangenheit-100.html?ref=nataliesdiary.com) [Videoausschnitt Zusammenfassung vom SWR](https://www.facebook.com/NachtcafeTalkshow/videos/natalie-wird-in-die-sekte-der-zeugen-jehovas-hineingeboren/472115987616627/) ## Magst Du mehr von solchen Gedanken lesen? Dann freue ich mich, wenn Du meinen Newsletter abonnierst. Neue Artikel landen dann direkt in Deinem Postfach. Abonnieren Email sent! Check your inbox to complete your signup. Kritisch. Klar. Koffeingestützt. > Dieser Artikel wurde ermöglicht durch Kaffee, Lebenserfahrung und gelegentliche Verzweiflung am Zeitgeist. > Wer die Kaffeeversorgung unterstützen möchte, darf das gerne hier tun: