“Wesentlichste Dinge im Leben sind nicht zuletzt der Humor und die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen.” (Yehudi Menuhin)
Den Humor als "wesentlichste Dinge im Leben" zu bezeichnen, finde ich ja mal sowas von nachdenkenswert! Sind wir gerade dabei, etwas "Wesentliches" zu verlieren? Yehudi Menuhins dreijähriger Sohn verwechselte im Übrigen «human» mit «Humor». Wenn ich mir unsere Gesellschaft im allgemeinen und die sozialen Medien im speziellen anschaue, denke ich mir: Vielleicht war der Kleine ein Genie!
Denn irgendwo zwischen Hashtags, Kommentarspalten und moralischen Erweckungserlebnissen scheint uns etwas verloren gegangen zu sein, das direkte Auswirkungen auf die Menschlichkeit hat.
Vor nicht allzu langer Zeit konnte man anderer Meinung sein und sich danach trotzdem gemeinsam an einen Tisch setzen und miteinander lachen. Heute reicht es, die falsche Ansicht über Politik, Einwanderung, Klima, Corona, Gendersternchen, Feminismus, Wölfe oder die Farbe von Gartenzwergen zu haben, und schon wird man behandelt, als hätte man persönlich den Untergang der Zivilisation geplant.
Besonders faszinierend finde ich die moderne Form der Toleranz. Sie funktioniert ungefähr so:
“Ich respektiere jede Meinung.”
Pause.
“Ausser diese. Und diese. Und diese. ....ja...ne, die auch nicht."
Wer heute eine unpopuläre Ansicht äussert, bekommt oft keine Argumente mehr geliefert. Stattdessen wird die Person selbst zum Problem erklärt. Das spart eine Menge Zeit und Denken. Empörung hat den Humor ersetzt.
Dabei wäre es so viel entspannter, wenn wir wieder lernen würden, über uns selbst zu lachen. Über unsere eigenen Widersprüche, Irrtümer und gelegentlichen geistigen Totalschäden. Ich selbst natürlich vollumfänglich eingeschlossen.
Denn die Wahrheit ist: Wir liegen alle manchmal daneben. Manche von uns sogar regelmässig. Und trotzdem geht die Sonne am nächsten Morgen auf. Der Hund will wie immer raus. Irgendwo kocht irgendjemand Kaffee. Die Bäume wachsen unbeirrt. Die Erde dreht sich. Völlig unbeeindruckt von unserer Meinung oder Empörung über irgendetwas.
Vielleicht hat Menuhins Sohn also tatsächlich etwas Wichtiges erkannt. Humanität und Humor sind enger verwandt, als wir glauben. Wer über sich selbst lachen kann, muss andere nicht permanent belehren, retten oder vernichten.
Vielleicht wäre genau das ein guter Anfang. Weniger Empörung. Mehr Gelassenheit. Und hin und wieder ein herzliches Lachen über die eigene Grossartigkeit. Denn meistens ist die deutlich kleiner, als wir denken.
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