Wir sind die Guten
Die Guten erkennt man daran, dass sie genau wissen, wer die Schlechten sind. Vom moralischen Hochsitz aus ist die Sicht schliesslich ausgezeichnet.
Hier werden heilige Kühe geschlachtet: Politik, Gesellschaft, selektive Empörung, Moral, diverse Zeitgeist-Phänomene und das Talent unseres Gehirns, Komplexität in Schwarz und Weiss zu pressen.
Die Guten erkennt man daran, dass sie genau wissen, wer die Schlechten sind. Vom moralischen Hochsitz aus ist die Sicht schliesslich ausgezeichnet.
Er ist weiss, männlich und älter. Drei unverzeihliche Eigenschaften auf einmal. Ein Wunder, dass er überhaupt noch ohne Sonderbewilligung Kaffee trinken darf.
Moral ist das neue Statussymbol. Früher zeigte man sein Auto. Heute seine Haltung.
Die neuen Widerstandskämpfer (vor allem gegen AFD und rechts) kämpfen gegen Unterdrückung. Vorzugsweise samstags, mit Thermoskanne, und danach gibt's Brunch. Sophie Scholl dreht sich im Grab. Ich auch ein bisschen.
Über Sternchen, Sprachpolizei und die Frage, warum eine Debatte über Wörter mehr Energie bekommt als die meisten echten Probleme zusammen.
Wer nie über sich selbst lacht, endet erstaunlich oft als Richter über alle anderen. Eine kleine Abrechnung mit Selbstmitleid, Perfektionismus und dem Ernst des Lebens.
Wer Freiheit wirklich liebt, sollte sie verbieten. Man kann schliesslich nie wissen, was die Leute sonst damit anstellen.
Wir feiern das Recht, zu glauben. Über das Recht, nicht mehr zu glauben — ohne Konsequenzen, ohne Ächtung, ohne Angst —, spricht kaum jemand. Zeit, das zu ändern!
Wir beklagen Einschränkungen. Andere verlieren Heimat, Sicherheit oder ihr Leben. Ein Blick darauf, wie schnell sich unsere Prioritäten ändern würden, wenn alles auf dem Spiel stünde.
Als ich die Einladung ins SWR Nachtcafé erhielt, freute ich mich riesig und bekam gleichzeitig wochenlang kaum noch Schlaf vor Nervosität. Warum ich trotzdem über meine Vergangenheit sprach und weshalb ihre Schatten bis heute nachwirken, erzähle ich in diesem Beitrag.